Paris - Die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) empfiehlt Ungarn, angesichts der unverändert rasch wachsenden Volkswirtschaft mit immer noch relativ hoher Inflation und hohem, noch steigendem Leistungsbilanzdefizit die Schwankungsbreite der Landeswährung Forint (HUF) gegenüber dem Euro von derzeit +/- 2,25 Prozent zu erweitern und so gewissen Raum für eine unabhängige Zinspolitik zu gewinnen. Bei ihrer Empfehlung an Ungarn, die Forint-Schwankungsbreite zu erweitern, argumentiert die OECD, in der Vergangenheit habe dieses "Crawling-peg" genannte System politischen Zielen sowohl im Innern wie nach außen gute Dienste geleistet, teilweise, weil es von gewissen Beschränkungen für kurzfristige Kapitalströme unterstützt worden sei. Im laufenden Jahr jedoch und trotz der von 0,4 Prozent auf 0,3 Prozent verringerten Abwertungsrate habe der Rückgang der Risikoprämien des Forint (HUF) zu einem prozyklischen Absinken der Realzinsen geführt, was wahrscheinlich zum Aufbau von Nachfragedruck beitragen werde. Risiko einer exzessiven Aufwertung Die OECD räumt ein, dass die Ausweitung der Schwankungsmarge das Risiko einer exzessiven Aufwertung in sich berge, doch sei das Abwarten, bis der Handlungsdruck steige, auch eine riskante Strategie. Im übrigen verweist die Pariser Organisation auf Hinweise der ungarischen Behörden, den Forint fest an den Euro zu binden, sobald die Inflationsdifferenzen mit Europa im Einklang stünden mit den Differenzen im Produktivitätswachstum; angesichts des Wunsches, dem Wechselkursmechanismus II beizutreten, werde Ungarn die Schwankungsbreite zu jenem Zeitpunkt ohnehin erweitern. Die hauptsächlichen Risiken für die günstige Projektion erblickt die OECD einerseits in einer möglichen Verlangsamung der Außennachfrage für ungarische Güter und andererseits in der Möglichkeit einer Überhitzung, wenn die Binnennachfrage als Antwort auf die derzeit diskutierte Linie in der Fiskalpolitik übermäßig zunehme. Die OECD riet der Regierung in diesem Zusammenhang, eine konservativere Haushaltspolitik zu verfolgen als zur Zeit erwogen und der Versuchung zu widerstehen, zusätzliche Staatseinnahmen auszugeben, die aus höherer Inflation oder stärkerem Wirtschaftswachstum resultieren könnten. (APA/vwd)