Linz - Von der verbalen Bedrohung über Prügel bis hin zum Mord - das Spektrum von Gewalt innerhalb der Familie ist breit. Seit 1997 gibt es in Österreich die Möglichkeit, Gewalttäter aus ihrer Wohnung zu weisen oder den Kontakt mit ihren Opfern zu untersagen. Fast 9000-mal machte die Exekutive seit damals von der Möglichkeit der so genannten Wegweisung und des Betretungsverbotes Gebrauch, wie die oberösterreichische Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie am Dienstag bei einer Pressekonferenz berichtete. Zwischen 1997 und 1999 hat sich die Zahl der amtsbekannten Vorgänge mehr als verdoppelt, für heuer erwartet Sonja Ablinger, Obfrau der Hilfseinrichtung, eine weitere Steigerung der Fälle. "Frauen sind durch die öffentliche Diskussion eher bereit, sich zu wehren, wenn der Lebenspartner die Kinder oder sie selbst verletzt", erklärt sie den Anstieg. Prinzipiell seien die Maßnahmen wirksame Mittel, um Frauen und Kinder vor Gewalt zu schützen, Bluttaten lassen sich durch sie aber dennoch nicht verhindern. In Oberösterreich betreute die Interventionsstelle heuer bereits 365 Fälle. Auffallend dabei: 266 der Täter sind nach Angaben der Opfer schon mehrmals gewalttätig gewesen. In 49 Fällen hat es in der Vergangenheit sogar schon exekutive Zwangsmaßnahmen gegeben. Laut Aiblinger eskaliere die Situation vor allem dann oft, wenn sich die Frau bereits zur Trennung entschlossen hat und der Mann das nicht verkraftet. Zweigstellen geplant Um die Betreuung der Opfer weiter zu verbessern, will die Interventionsstelle künftig auf Regionalisierung setzen. In Freistadt ist die Eröffnung einer Zweigstelle geplant. Zusätzlich sollen künftig in allen Gerichtssprengeln Arbeitstreffen stattfinden, an denen alle Institutionen, die davon betroffen sind, teilnehmen. Therapie Für die Täter setzt man Hoffnungen auf die Möglichkeit der Diversion. Sie könnten etwa gerichtliche Auflagen bekommen, dass sie sich einer Therapie unterziehen müssen. Auch die Ausschöpfung der bestehenden juristischen Maßnahmen, etwa Weisungen, wird überlegt. "Familycop" Die Kontakte zu Exekutive und Polizei sollen ebenfalls intensiviert werden. Seit Jahresanfang findet sich in jedem Landesgendarmeriekommando ein eigener "Familycop", der in diesem Komplex speziell geschult ist. In einem Pilotprojekt soll nun auch bei der Bundespolizeidirektion Linz ein derartiger Kontaktbeamter nach US-Vorbild ausgebildet werden. (moe - DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 11. 2000)