Wien - "Wie ich 1998 in Indien gelesen habe, dass man dort im Vindhyan-Becken Spuren von tierischem Leben gefunden hat, das über eine Milliarde Jahre alt sein soll, habe ich das zuerst nicht geglaubt", berichtet Wolfgang Frank (Geozentrum Wien) dem STANDARD, "deshalb bin ich hingefahren und habe Proben genommen. Und die ersten Auswertungen haben meine Skepsis bestätigt und wirklich nur ein Alter von 620 Millionen Jahren gezeigt. Aber dann konnten wir ein Alter von bis zu 1300 Millionen Jahren bestätigen." Damit machte sich auch international bezahlt, was Frank und die Geologische Bundesanstalt vor 25 Jahren in Österreich eingeführt haben: die Geochronologie, eine apparativ hoch aufwendige Methode zur Datierung des Alters von Gesteinen. "Wenn wir die Geschichte der Alpen verstehen wollen, brauchen wir Geochronologie", erinnert sich Frank an sein damaliges Argument. Und bei den Alpen liegt nach wie vor das Schwergewicht der österreichischen Anwendung von Methoden, die aus Isotopenverteilungen in Gesteinen deren Alter lesen können. Etwa mit der Kalium/Argon-Methode: Kalium zerfällt in Argon 40. Analysiert man den Kalium- und Argongehalt eines Gesteins, kann man - unter Kenntnis der Halbwertszeit des Argon 40 - sein Alter rechnen, "unter günstigen Bedingungen sehr genau und bis zum Anfang der Erde". Aber die Bedingungen sind nicht immer günstig, Argon kann ausgasen, wenn Gestein sich erwärmt oder umschichtet. Methusalem-Würmer Eben das war in jenen indischen Sedimenten passiert, in denen sich Grabspuren von Würmern gefunden hatten, die die Lehrbücher revolutionierten. Begann in ihnen das Tierleben vor frühestens 700 Millionen Jahren, ist es nun fast doppelt so alt. Frank konnte das bestätigen, nachdem er mit raffinierten Zusatzmethoden seine ursprüngliche Datierung korrigiert hatte. Dabei kam dem Nichtbiologen heimische Erfahrung zu Hilfe: "Einfache Gesteinsstrukturen können es nicht gewesen sein, wir kennen ähnliche Wurmlöcher aus viel späteren Epochen in alpinen Gesteinen." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, Jürgen Langenbach)