Wien - "Wir müssen uns den Fragen der Integration intensiv widmen und Strategien entwickeln, allen Mitbürgern ein positives Lebensumfeld zu bieten. Wir müssen ein Klima schaffen, in dem konstruktiv über bildungspolitische, gesellschaftliche und soziale Probleme der Zuwanderung mit den Bürgern gesprochen wird. Denn es gibt keine zukunftsorientierte Stadtpolitik, die an diesen Problemen vorbeigehen kann." Schon in der Eröffnungsrede von Bundespräsident Thomas Klestil klang Dienstag Abend ein Generalthema des zweitägigen Symposions "Zukunft der Städte" im Wiener RadioKulturhaus an: Die urbanen Zentren haben nur dann eine Zukunft, wenn sie ihre heutigen Defizite als Herausforderung begreifen. Fast die Hälfte der Weltbevölkerung wohnt bereits in Städten, Zusammenballungen von 18 Millionen Menschen (Kairo) oder 44 Millionen (Kalkutta) sind keine Ausnahme, das Wachstum schreitet ungebremst voran. Vor diesem Hintergrund behandeln internationale Referenten - Architekten und Stadtplaner, Politiker und Journalisten, Beamte und Demographen - bis Donnerstag in einem vom Radiosender "Österreich 1" hauptverantwortlich ausgerichteten Symposion die Probleme und Chancen städtischen Zusammenlebens. Die Funktion der Städte als "Labor der Erinnerung und der Erneuerung" (so Leonardo Benevolo, der italienische Nestor der Stadtgeschichte) wird dabei ebenso beleuchtet wie "das Spannungsverhältnis zwischen gebauter und sozialer Stadt", das der Berliner Journalist Dieter Hoffmann-Axthelm sehr pessimistisch beurteilte: Die Städteplaner würden durch die Massivität der Lobbies und der wirtschaftlichen Interventionen durch Immobilienspekulanten aufgerieben. Bürgermitbestimmung ohne ökonomische Macht, wäre reine Farce. Rasch war klar, dass mit der Zukunft der Städte auch größere politische Fragen eng zusammenhängen. "Wir müssen unsere Städte mit noch mehr Demokratie durchfluten, denn gerade für die Städte soll das Prinzip der Subsidiarität besondere Bedeutung haben", hatte Klestil eingangs gefordert. "Was die kleinere Einheit - sprich: das Viertel, der Bezirk, die Stadtgemeinde - leisten kann, soll nicht eine übergeordnete an sich ziehen." Massimiliano Fuksas, römischer Stararchitekt, griff die Forderung begeistert auf: Die "Magma City" der Zukunft würde "neue, fortschrittlichere Demokratieformen, eine Gesellschaft ohne Parteien" hervorbringen, versicherte der Gestalter der letzten Architekturbiennale und forderte enthusiastisch: "Wir alle müssen neue Verantwortung übernehmen und nicht mehr Verantwortung delegieren!" Parallele Veranstaltung: "Stadtgesellschaft morgen?" "Das Stadt-Leben wird sich in den nächsten zehn bis 20 Jahren dramatisch ändern, die Bewohnerinnen und Bewohner werden andere Wünsche, Bedürfnisse und Vorstellungen von ihrer Stadt haben, als wir das heute haben." Das sagte Wiens Vizebürgermeister Bernhard Görg anlässlich eines ganztägigen Symposiums zum Thema "Stadtgesellschaft morgen", das am Mittwoch im Technischen Museum stattfand. Bei der Veranstaltung, die vom Verein ZukunftWien organisiert wurde, sollte die zukünftige Stadtgesellschaft aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden. "Wir als Stadt werden die Aufgabe haben, rechtzeitig auf eine höhere Lebenserwartung mit 'altersgerechten' Lebensbedingungen zu reagieren", sagte Görg, "wir werden Schritt halten müssen mit den rasanten Entwicklungen im Bereich der Informationstechnologie und wir werden auf Herausforderungen wie z.B. den Internet-Alltag - also E-Mail, Tele-Shopping, Telebanking - mit einem geänderten Stadt-Alltag antworten müssen." Die Veranstaltung solle dazu dienen, den Blick der Politik und maßgeblicher Handlungsträger der Stadt zu "schärfen". Die 200 Teilnehmer der ausgebuchten Tagung kamen aus Stadtverwaltung, Politik und Wissenschaft, so eine Aussendung der Rathauskorrespondenz. Unter den Vortragenden befand sich der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann, der "über die Gestaltbarkeit von Zukunft" referierte. (APA)