Wien - "Ich hab' ja schon einen Teil vom Platzl in den Wind gestellt" - genauer gesagt stand ein Veranstaltungszelt auf dem windigen Mariahilfer Platzl. "Weil es mir einfach zu blöd geworden ist", erinnert sich Mariahilfs Bezirksvorsteher Erich Achleitner (VP). Jetzt endlich aber - nach gut zehn Jahren des Hin und Hers - verspürt Achleitner Aufwind für das hochgepriesene, aber unrealisierte Projekt "Turm und Riegel" von Coop Himmelb(l)au und Neumann & Partner. "Wir rechnen mit einem Baubeginn im Frühjahr bis Frühsommer 2001", verkündete Porr-Generaldirektor Horst Pöchhacker am Dienstag. Und er sprach dabei "weniger als Bauunternehmer, sondern eher als Projektentwickler". Vorerst allerdings musste das spektakuläre Vorhaben schräg gegenüber dem Westbahnhof weniger entwickelt denn entwirrt werden: "Trotz der Einigung im Dezember 1999 ist ja der Herr Senator Kallinger in Probleme geraten, die es ihm unmöglich machten, das Objekt zu errichten", erinnert der Bezirks-Chef. Obwohl die für dieses Projekt zuständige Kallinger-Gesellschaft nicht von der Insolvenz betroffen sei, wie Pöchhacker betonte. Porr kaufte sich jedenfalls mit 50 Prozent ein und will nun rund 150 Millionen Schilling (10,9 Mio. ) investieren - ohne öffentliche Förderung -, den Turm aufstellen und den Riegel quer dazu legen. Die Baugenehmigung wird noch für dieses Jahr erhofft. Interessenten gebe es genug, versichert der Porr-General. "Besondere Geschäfte" sollen entstehen, "eher Gustostückerln". Dazu Büros und Gastronomie - auch der Plan, oben am Turm zur Aussichtsplattform "mit dramatischem Ausblick" ein Lokal zu errichten, sei noch im Rennen, versichert Böchhacker. "Bewegliche Kunst" Ein Gutes habe die jüngste Verzögerung allerdings schon gehabt, meint Achleitner: "Wie das Ambiente rundum gestaltet werden soll - da ist uns so rasch nix eingefallen." Dafür aber jetzt: "Ich verrat' nur so viel: den Oberbegriff bewegliche Kunst." In diese Entscheidung solle aber noch die Bevölkerung eingebunden werden. Was wäre aber ein Wiener Turm-Projekt ohne freiheitlichen Kommentar: Eine FPÖ-Bezirksmandatarin, die während der Präsentation im Café saß: "Mit dem Turm wird's Probleme geben. Wengan Licht." Achleitner: "Ans is' scho' klar: Um zehne muss a Ruh' sein." Und was das Strahlen des Turmes angeht, gebe es überdies ein beruhigendes Stichwort: "ruhende Beleuchtung." (frei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 11. 2000)