Wien - Als das Musik-Magazin Skug vor zehn Jahren seine erste Ausgabe veröffentlichte, trat es in Wien damit gegen den Chelsea Chronicle an. Das war ein wenig wie Rapid gegen Austria. Prolls gegen Schöntuer. Auch wenn das jetzt sicher beide nicht so gelten lassen würden, der Leser konnte das durchaus so empfinden, gerade wo der Chronicle eine nie geleugnete, ja sogar gepflegte Liebe für Fußball hatte. Den Skug -Leser fand man eher nicht am Fußball-Platz. Eher schon zu Hause. Bücher lesen. Böse gesagt. Wobei sich das sprachlich, wie die Entwicklung des Magazins zeigen sollte, schon auch ausgezahlt hat. Während das mittlerweile eingestellte Chronicle sich gegen Ende wie ein Modernisierungsverlierer in Agonie ausmachte, spiegelte das Skug beständig die Veränderungen der Musikwelt wider, wandelte sich von der gitarrenlastigen Veröffentlichung hin zur elektronischen Musik. Mal besser, mal weniger gut, aber immer von einem nicht zu überlesenden Ehrgeiz angetrieben, der nicht zuletzt daran "schuld" war, dass man das Skug gern den kleinen Bruder des deutschen Spex genannt hat. Ein "Vorwurf", der den Machern Alfred Pranzl und Didi Neidhart sicher bekannt ist und den Lesern durch ein nicht unerhebliches Maß an "Zwangsintellektualität" aufgefallen ist. Man wird deshalb dem Skug nicht vorwerfen können, ein besonders sexy zu lesendes Magazin zu sein. Apropos lesbar: Die letzte Ausgabe, von den Designer von D+ entworfen, soll so manchen Leser veranlasst haben, einen Augenarzt aufzusuchen: Versuchen Sie einmal silberne Schrift auf rotem Grund zu lesen, wenn dem Text zusätzlich ein Bild unterlegt ist. Zukunftspläne Auch das Problem wird sich in den Griff kriegen lassen, so wie sich die Skug -Mannschaft überhaupt viel für die Zukunft vorgenommen hat: Auf Ö 1 macht man ab 22. November einmal pro Woche eine Stunde lang Radio, Skug-Ton . Ebenfalls beginnt Skug eine Veranstaltungsschiene im Wiener Elektronik-Lokal Rhiz und will demnächst auch im Internet auftreten. Zuvor allerdings feiert man sich erst einmal selber ordentlich ab. Heute und morgen wird im Rhiz aufgelegt (DJs Dent, Deisl, Neidhart etc.) und am Sonntag im B 72 schließlich das ganz große Fass aufgemacht, wenn der deutsche Elektroniker Loopspool mit Crooner Ted Milton auftritt, Schneider TM Funkiness beweist und Wipeout einen ihrer Auftrite absolvieren. In diesem Sinn: Alles Gute und "Long May You Run!" (Neil Young, Gitarre) (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 11. 2000)