"Es hat mich niemand unterstützt, es hat mich niemand gehindert, es hat sich einfach niemand um die Hütte gekümmert." Der heute 44-jährige Hermann Hinterhölzl gibt sich bescheiden, wenn er über sein Lebenswerk spricht. Dass er für seine Leistungen mit dem europäischen Solarpreis, einer hohen Auszeichnung für umweltfreundliche Erfindungen, ausgezeichnet wurde, erfährt man dabei nicht von ihm.

Seine Bergleidenschaft begründete Hinterhölzls Einstieg ins alternative Energiemanagement. Schon als Bäckerlehrling radelte er an den freien Wochenenden vom heimatlichen Mühlviertel bis zum Dachstein. Jahre später, beim Präsenzdienst in Saalfelden, schlug ein befreundeter Hüttenwirt dem Zwanzigjährigen vor, das Matrashaus am Gipfel des 2941 Meter hohen Hochkönigs zu übernehmen. Dort, wo auf anderen Bergen nur noch christliche Symbole in den Himmel ragen, findet sich mit dem Matrashaus ein echtes "Wolkenheim". Für Schutzhütten, die in der Wüste aus Fels und Eis derart exponiert liegen, braucht es ganz besondere Menschen. "Der Hermann", wie er in Bergsteigerkreisen genannt wird, ist so einer. Wenn er zu erzählen beginnt, versteht man schnell, warum er als Intellektueller unter den Hüttenwirten gilt. "Inspiriert vom Club of Rome, setzte ich mir das Lebensziel, das Matrashaus zum ersten autarken Haus in den Alpen auszurüsten", erzählt Hinterhölzl über seine Anfänge.

Damals musste das Wasser noch mit Kanistern vom Gletscher zur Hütte hinaufgetragen werden. Hinterhölzls Leistung ist beeindruckend: Schon 1977 baute er eine Pumpe für die Wasserversorgung. 1979 errichtete er ein Windkraftwerk. Am Gipfel des Hochkönigs gab es erstmals elektrisches Licht. Lange bevor in den alpinen Vereinen über alternative Energie nachgedacht wurde, montierte er schon die ersten Solarmodule aufs Dach.

Der große Rückschlag kam im Mai 1982: Zwei Skibergsteiger hatten im Winterraum einen Ofen beheizt und fuhren am folgenden Tag ohne Kontrolle ab. Das gesamte Matrashaus, mit all seinen Innovationen, ging in Flammen auf. Es folgten zwei harte Jahre in einer Nothütte. 1985 wurde vom Österreichischen Touristenklub das neue, geräumige Haus mit Platz für 140 Personen eröffnet. Und Hinterhölzls Erfindungsgeist war ungebrochen: Er installierte ein selbst entwickeltes Filtersystem zur Wasserreinigung und bastelte eine Verrottungsanlage, um den menschlicher Fäkalien Herr zu werden und die dabei anfallende Wärme nutzen zu können. Für seine Arbeit erhielt er dann 1995 den europäischen Solarpreis.

Aber als alpiner Gastronom widmet er sich nicht nur den höheren Aufgaben des Umweltschutzes, sondern löst auch souverän die Alltagsprobleme eines Hüttenwirts. Als etwa ein Bergsteiger nach ein paar Bier zu viel irrtümlich in den Stiefeln eines anderen talwärts wankte und zuletzt einer mit viel zu kleinen Schuhen übrigblieb, half Hermann aus: Er lieh dem bloßfüßigen Gast seine eigenen Schuhe.

1998 hatte er schließlich genug von der Höhenluft am "König". Er übersiedelte

auf das 1.826 Meter hohen Gründeck im Pongau. Hier kann man durch den Wald spazieren und oben bei einem Bier den Blick von Tirol über die gesamte Salzburger Bergwelt bis weit in die Niederen Tauern schweifen lassen.

Und Hinterhölzl tüftelt im gemütlichen Heinrich Kiener-Haus, das er privat erworben hat, unbeirrt im Dienste des Umweltschutzes und der eigenen Unabhängigkeit weiter. Auf eigens gepachteten Flächen sollen wieder Zirben und Laubbäume zwischen den Fichtenmonokulturen der Bundesforste heimisch gemacht werden. Nächstes Jahr soll dann auch sein "Unimog" so weit umgebaut sein, dass der Allradlastwagen mit Biodiesel und Salatöl betrieben werden kann. Heuer hat er eine selbst konstruierte Wasserreinigungsanlage für das Kiener-Haus in Betrieb genommen. Über sieben Stufen - vom Holzkohlefilter bis zur Steinrieselstrecke - rinnt das Grauwasser, bis es sauber ist. "Sogar eine Delegation aus Tansania war schon wegen der alternativen Wasseraufbereitungsanlage bei mir", erzählt Hinterhölzl. Darauf ist er dann doch ein wenig stolz. Thomas Neuhold []

Tipp: Hermann Hinterhölzl kann man am Heinrich-Kiener-Haus besuchen. Die familientauglichen Wanderwege führen von St. Johann, von Hüttau, von Bischofshofen oder von Wagrain auf das Hochgründeck; je nach Anstieg 1 1/2 bis 2 1/2 Stunden. Karte: Kompass Nr. 15 "Tennengebirge - Hochkönig". Tel. 0664/2774558.