Hans Tschürtz ist eine Stimmungskanone. An sich Sicherheitssprecher der burgenländischen FPÖ und deshalb berufsbedingt von einer gewissen Strenge, aber die verliert er sofort wieder, wenn kein parteieigener Werbefotograf dabei ist, wenn er so im Kreis der Seinen steht, die da auf den Jörg Haider warten in der allmählich voller werdenden Messehalle zu Oberwart. "Franky and the Meteors" spielen alte Hadern. Der Schmäh rennt, geführt von Hans Tschürtz, denn der ist eine Stimmungskanone. Jörg Haider auch. Wie er da hereinfegt in die Halle, innmitten seiner mitlaufenden Leibwächter, vorbei an den gut 15 Gegendemonstranten, die sich im Schutz von ein paar behäbigen Gendarmen gesammelt haben! Einer ruft: "Buuh", eigentlich: "Bu", und wird des Saales verwiesen. "Warum sollte Stefan Salzl nicht der erste freiheitliche Landeshauptmann des Burgenlandes sein?", fragt Haider wenig später die rund fünfhundert Zuhörer. Das ist eine gute Frage, sie beschäftigt sogar das Ehepaar aus Salzburg, das ein paar Tage im südburgenländischen Thermenland verbringt, vom Wahlkampf überrascht wurde und Jörg Haider kurzerhand ins Urlaubsprogramm einbaute. "Wir begrüßen unser einfaches Parteimitglied", ruft Nationalratsabgeordneter Karl Schweitzer ins Mikrofon, und schon ist dieses auf der Bühne, wirft den Steirerjanker von sich. "Rote Weihnachtsmänner . . . schwarzer Blinddarm . . . Tachinierer . . . Postenschacher." Susanne Riess-Passer, die Vizekanzlerin, kommt gerade. Herbert Scheibner, der Verteidigungsminister, ist längst schon da. Aber irgendetwas stimmt da nicht an diesem Abend, der die Intensivphase des burgenländischen Wahlkampfes eintrommeln sollte. Jörg Haider holt durchaus aus und zieht durch. Aber müde wirkt er ein wenig. Nicht wirklich bereit, ein zweites Mal auszuholen, ein weiteres Mal zuzuschlagen. "Schwarze Schlittenhunde . . . Osterweiterung . . . für die kleinen Leute." Schnee von gestern. Ein Schatten seiner selbst. Langsam spricht sich herum, warum. Was da kurz zuvor passiert ist in Deutschlandsberg. "Der Schmid", sagt einer. Hans Tschürtz nickt. Der Laune rund um ihn schadet das freilich nur marginal. Denn erstens spielt längst schon wieder der Franky aus Draßburg, der sich the Meteors aus Ungarn geholt hat, um hier gegen die Osterweiterung zu musizieren. Und zweitens, wie gesagt: Hans Tschürtz ist eine Stimmungskanone. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. November 2000)