Eisenstadt - Normalerweise passieren Landtagswahlen im Burgenland im Windschatten der nationalen Aufmerksamkeit. Diesmal ist die Sache ein wenig anders. Immerhin ist der Anlass dafür einer der wohl größten Bankenskandale der Zweiten Republik, und die Ablöse der SPÖ als Landeshauptmann-Partei ist durchaus möglich. SP-Chef Hans Niessl, der den Wahlkampf an sich und im Gegensatz zur abgestürzten steirischen SPÖ mit "burgenländischen Themen" führen will, sieht hier eine bundespolitische Strategie: "ÖVP und FPÖ wollen auch im Burgenland die Wende." Die Bundeskoalitionäre sehen das naturgemäß anders. VP-Obmann Gerhard Jellasitz: "Die SPÖ wollte wie immer verniedlichen, vertuschen und verdrängen. Dazu habe ich mich nicht hergegeben." Aber Jellasitz sagt auch: "Wir treten an, die Hauptverantwortung zu übernehmen." FP-Chef Stefan Salzl gruppiert seinen Wahlkampf um zwei zentrale Themen: Proporz im Land und - das vor allem - die EU-Osterweiterung, bei der er sich wünscht, "die Bevölkerung maximal einzubinden". Am Donnerstag wird die burgenländische FPÖ unter den Auspizien von Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer eine Offensive für eine einschlägige Volksabstimmung beschließen. Ein Fauxpas passierte den Freiheitlichen mit ihrem ersten Plakat: Der Herr, mit dem Stefan Salzl da spricht, entpuppte sich als ÖVP-Funktionär aus dem Süden des Landes, der davon höchst unangenehm berührt ist. FP-Geschäftsführer Norbert Hofer sieht allerding keinen Grund für allfällige Klagen. "Das Plakat wird ohnehin überklebt." Ob auch eine Broschüre aus dem Verkehr gezogen wird, entscheidet sich in einem Gespräch der Kontrahenten. Die Osterweiterung ist - scharf kontrapositionell zur FPÖ - auch ein wesentliches Thema der Grünen. Trotz - oder gerade wegen - Temelín. Spitzenkandidatin Grete Krojer: "Wäre Tschechien in der EU, gäbe es verpflichtend eine Umweltverträglichkeitsprüfung." (Wolfgang Weisgram/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26. Oktober 2000)