Wien - Die Probleme der Einheitswährung Euro sind derzeit offenbar vor allem psychologischer Natur: "Es wird der Eindruck erweckt, der Euro sei ein Schwächling, dem geholfen werden muss", sagte Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Freitag bei einer Pressekonferenz zum Thema "Sieben Argumente für den Euro". Schulmeister hält den Euro derzeit für "fair" bewertet. Die wichtigsten Aussagen der anwesenden Experten, die den Wirtschaftsbeirat der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik bilden: Der Konjunkturaufschwung in der EU habe maßgeblich durch die Euro-Einführung profitiert, so Professor Hans Abele. Er brachte gleich zwei Argumente für den Euro vor: Die Europawährung kurble die Wirtschaftsentwicklung auch in den Staaten Mittel- und Osteuropas an und habe die Beschäftigungsinitiative der EU zu einem Erfolg werden lassen. Hoher Binnenwert Universitätsprofessor Felix Butschek verwies auf den hohen Binnenwert des Euro, der für Sparer und Konsumenten gegenüber dem US-Dollar auf Grund der geringeren Inflation von Vorteil sei. Aus einer längerfristigen Perspektive sei die Kursentwicklung des Euro zum Dollar weder außergewöhnlich noch Besorgnis erregend, führte der wirtschaftspolitische Experte der Industriellenvereinigung, Erhard Fürst, aus. Der Euro habe mit einem überhöhten Anfangskurs eingeführt worden. Die derzeitige Entwicklung solle mit "Gelassenheit" betrachtet werden. "Stabiler als der Dollar" "Der Euro ist viel stabiler als der Dollar", so Anton Klausel. Für ihn haben die bisher gültigen fundamentalen Eckdaten der Wirtschaftsentwicklung - Leistungsbilanz, Produktivitätsentwicklung, Inflationsrate und Zinsniveau - angesichts der globalisierten Finanzmärkte nur kurzfristig an Bedeutung verloren. Der Kursverfall des Euro sei "die längst fällige Korrektur der langjährigen massiven Unterbewertung des US-Dollar". Der frühere Nationalbankpräsident Heinz Kienzl verwies auf die wesentlich geringere Gefahr einer Spekulation gegen den Euro als gegen eine Einzelwährung. "EZB braucht Lernphase" Wifo-Experte Stephan Schulmeister kritisierte, die Europäische Zentralbank (EZB) habe anders als die US-Notenbank kein klar definiertes theoretisches Konzept. Übereinstimmung herrschte unter den Experten darüber, dass die EZB noch eine "Lernphase" zu durchwandern habe, bis sie die Erwartungen der Märkte in gleicher Weise steuern könne wie die US-Notenbank. (APA)