Belgrad - Der serbische Staatssicherheitschef Rade Markovic hat erklärt, dass er nicht "unter dem Druck politischer Parteien und Parteiführer" zurückzutreten gedenke. Er könne den Staatssicherheitsdienst nur einem gesetzlichen und legitimen Nachfolger überlassen, der von der serbischen Regierung und dem Innenminister bestellt werde, sagte Markovic. Der Rücktritt von Markovic wird seit Wochen von DOS-Spitzenfunktionären und der Serbischen Erneuerungsbewegung (SPO) verlangt und hat inzwischen zu einer völligen Blockade der serbischen Übergangsregierung geführt. Die SPO-Minister hatten mit ihrem Rücktritt gedroht, falls Markovic nicht bis Sonntag zurücktritt. Der Ablösung von Markovic widersetzt sich die Sozialistische Partei von Ex-Präsident Slobodan Milosevic. Markovic wurde inzwischen auch vom jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunica in Schutz genommen. Kostunica hatte sich "voreiligen" Personaländerungen an der Polizei- und Militärspitze widersetzt und dadurch Konsterniertheit bei den eigenen Bündnispartnern ausgelöst. Die serbische Übergangsregierung ist seit ihrer Bildung Mitte Oktober in einer Pattposition. Das Funktionieren des Innenministeriums wird zusätzlich durch die Existenz von drei Ko-Ministern erschwert. Wie Markovic am Sonntag präzisierte, treffe er sich regelmäßig dienstags mit den drei Koministern, tägliche operative Entscheidungen könne er in Beratung mit nur einem Kominister fassen. Markovic wird als eine der zuverlässigsten Stützen des alten Regimes in den Reihen der Polizei angesehen. Der Staatssicherheitsdienst wird in der Öffentlichkeit mit etlichen spektakulären Mordüberfällen in den letzten Jahren, aber auch mit der Verschleppung des früheren serbischen Präsidenten Ivan Stambolic und der Ermordung des Journalisten Slavko Curuvija in Verbindung gebracht. Er dürfte auch hinter der jüngsten Gefangenenrevolte in serbischen Gefängnissen stecken, heißt es in den DOS-Reihen. (APA)