... weiter äußern will er sich dazu nicht. Umso lieber tut er das im STANDARD- Gespräch über Hans Dichand und die Gefährlichkeit der Magazinfusion.Standard : Ein aktuelles politisches Denkmodell zum ORF lautet: ein Programm rein öffentlich-rechtlich und gebührenfinanziert, den Rest Privaten überlassen. Bacher: Ich bin gegen jede Amputation des ORF. STANDARD: Sie haben selbst in ihrer letzten ORF-Amtszeit die Devise "Vom Monopol zum Marktführer" ausgegeben. Bacher: Ja, aber das bedeutet nicht Diktatur des Marktes. Ich habe nicht vergessen, dass der "Musikantenstadel" zu meiner Zeit erfunden wurde. Nur darf im anderen Programm nicht ein Krimi laufen, sondern ein anspruchsvolles Alternativprogramm. Letzte Instanz muss der Programmauftrag sein - und nicht der Markt. Der im Übrigen nicht identisch mit dem Publikum sein muss. Markt ist vor allem die Werbewirtschaft. Und Markt ist auch jener schlechte Geschmack, auf den man sich beruft, weil ihn angeblich das Publikum hat. STANDARD: Die Frage nach dem Modell - ein echter öffentlich-rechtlicher Kanal, der Rest privat - ist so mit Nein beantwortet? Bacher: Richtig. Im Übrigen halte ich die Strategie, die beiden ORF-Programme nicht mehr zu verschränken, sondern in sich geschlossen zu positionieren, für lebensgefährlich. Das ist die Einladung zur Amputation. STANDARD: Diese Amputation scheint ja gerade wieder aktuell. Zumindest denkt FP-Klubchef Peter Westenthaler laut darüber nach - als Retourkutsche für Proteste der ORF-Journalisten gegen Interventionen. Bacher: Unter Applaus des alten Fuchses Hans Dichand. Wir wissen: Wenn Dichand etwas "von besonderer Seite" schreibt, ist das nicht nur die Äußerung eines Wunsches. Da hat er schon Handfesteres in der Schublade. STANDARD: "Von besonderer Seite" gab es kürzlich eine Kolumne in der Kronen Zeitung Hans Dichands, die eine Privatisierung eines ORF-Kanals einmahnte. Zu Dichand: Warum lagen Sie Zeit Ihres ORF-Lebens mit ihm im Clinch, wo Sie ihm doch weltanschaulich ziemlich nahe stehen? Bacher: Vor allem halte ich ihn für den erfolgreichsten österreichischen Journalisten. Er hat einen einmalig entwickelten Geruchssinn für das Zeitungmachen. STANDARD: War es dann nicht ein Fehler, im Krieg mit Dichand zu leben? Jetzt zeigt sich, dass man auf Kuschelkurs mit der Krone offenbar gut fährt. Bacher: Für mich hat der ORF das größte Informationsinstitut des Landes zu sein und als solches ein Korrektiv zu den weltweit einmaligen Printmedienzuständen in Österreich zu schaffen. Das war immer der Grund unserer Meinungsverschiedenheiten, persönlich haben wir keine Schwierigkeiten miteinander. Ich wollte nicht auf dieses Gegengewicht zu den Printmedien verzichten. Da bin ich für Trennschärfe. Es erscheint mir auch als eine Gefährdung der Glaubwürdigkeit öffentlich-rechtlichen Fernsehens, wenn die einzige Informationsquelle für eine Meldung eine Zeitungsnachricht ist, der wir dadurch millionenfaches Echo verschaffen. STANDARD: A propos einmalige Zustände: Die werden - sofern das Kartellgericht nichts einzuwenden hat - durch die Verschränkung von Mediaprint und Verlagsgruppe News noch ein Stück einmaliger. Bacher: Die schon bekannten Erscheinungen werden damit noch verstärkt: die größte Konzentration, die größte Boulevardisierung und der größte Auslandseinfluss auf einem Printmarkt weltweit - wie sie in anderen Zwergmärkten einfach nicht zumutbar wären. Das ist auch eine Konkurserklärung des Antikartelldenkens in Österreich. STANDARD: Jetzt wird die marktbeherrschende Stellung bei Tageszeitungen - mit den reichweitenstärksten Magazinen des Landes - noch einmal aufgedoppelt. Bacher: Als ich davon zum ersten Mal gelesen habe, habe ich das nicht für möglich gehalten. Wobei mir die unmittelbare Auswirkung gar nicht so gefährlich erscheint wie die Konstruktion an sich. Ich glaube deshalb nicht, dass Format und profil jetzt das Gleiche schreiben werden. STANDARD: Nur wird es eines dieser beiden Magazine in drei Jahren wahrscheinlich nicht mehr geben. Bacher: Das meine ich mit der problematischen Konstruktion. Man hat dann jede Möglichkeit, damit zu tun, was man will. (Harald Fidler/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 11. 2000)