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Herbert Scheibner, Jörg Haider, Dieter Boehmdorfer und Peter Westenthaler (v. li.)

Reuters
Rein strukturell und soziologisch betrachtet, gliedert sich die als "Buberlpartie" bekannt gewordene Entourage Jörg Haiders in drei Teile: Da wäre die "alte" Partie, von der heute nur noch Pressesprecher Karl-Heinz Petritz in Haiders nächster Umgebung verblieben ist. In den alten Tagen gehörten Peter "Hojac" Westenthaler, Walter "Meischi" Meischberger und Gernot "Rambo" Rumpold dazu. Während die Trabanten Meischberger und Rumpold mit der Zeit von ihrem Fixstern abrückten, hielt sich Petritz hartnäckig an Haiders Seite. Gerade seine Biografie vermittelt einiges von der ungebrochenen Anziehungskraft, die sein Arbeitgeber auf ehrgeizige junge Männer ausübt. Der aus dem zweisprachigen Rosental stammende Petritz erfuhr seine politische Sozialisation in der Wagner-Ära, wo sich der HAK-Schüler als Mitherausgeber mit einer kritischen, eher linken Schülerzeitung hervortat. Sein weiterer beruflicher Werdegang führte den durchaus kritischen Journalisten zur Wochenpresse und zuletzt zur Arbeiterzeitung, der er bis zu ihrem Ende als Wirtschaftsredakteur die Treue hielt. Bald danach ereilte Petritz gewissermaßen sein Damaskus-Erlebnis, nach welchem er sich als Haiders Pressesprecher wiederfand. Haiders Stimme Legendär ist seine Durchsetzungskraft als Stimme seines Herren, aber auch seine Interpretationskunst. Einen Spiegel-Redakteur versetzte Petritz nach abgehaltenem Haider-Interview mit dem unüberhörbaren Tadel in Erstaunen: "Sie hom jo gor ka Ahnung, wie der Jörg heit auf'gmocht hot. Do hätten S' nochsetz'n miassn." Nebenbei versuchte sich Petritz gemeinsam mit Haiders langjährigem Sekretär Gerald "Gerry" Mikscha mäßig erfolgreich mit der Sportleragentur "Challenge One". Der heute 29-jährige Mikscha hielt es neun Jahre als Haiders "Mädchen für alles" aus und gehörte zur "jüngeren" Buberlpartie. An seine Stelle trat vor kurzem der 22-jährige Franz Koloini. Der "schöne Franz", wie ihn mittlerweile nicht nur FPler bezeichnen, werkte vor seiner Berufung als Kellnerlehrling im Casino Velden und auf einem Kreuzfahrtschiff. Der solariumgebräunte, schwarz gelockte Mann hat sich aussehensmäßig so sehr an seinem Vorbild orientiert, dass ihn eine Klatschpostille bei einem Motorradtreffen in Deutschland prompt als Haiders Sohn geoutet haben wollte. Die Netzwerker Den dritten Kreis um Haider bilden seine um Kontakte und "Aufdeckungen" bemühten Vertrauten. Neben dem "Leibwächter" Horst Binder oder den 1988 als "Organisator" geholten Libyen-Kontakter Harald Göschl ist das zur Zeit FP-Parlamentsdirektor Josef "Jomo" Moser. Er geriet zuletzt als angeblicher Überbringer eines Kuverts, in dem sich Turnauer-Millionen befunden haben sollen, ins Gerede. Mit Geld kennt sich Moser aus, er war bis 1989 in der Finanzlandesdirektion. Ein weiterer Netzwerker ist der Klagenfurter Steuerberater Günther Pöschl. Er hat Haiders Bärental-Steuerkonstruktion ersonnen und sitzt seit der Auswechslung des Aufsichtsrates in der Landes-Elektrizitätsgesellschaft Kelag - als Präsident dieses Gremiums. Außerdem ist er im Vorstand der Landesholding, welche die Anteile Hypo-Alpen-Adria-Bank verwaltet, sowie in mehreren Privatstiftungen von FP-Gönnern vertreten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 11. 2000)