Jerusalem - Bundespräsident Thomas Klestil hat "volle Unterstützung" für einen Vorschlag des Direktors der Holocaust-Gedenkstätte "Yad Vashem", Avner Shalev, ausgesprochen, für Österreich einen offiziellen Holocaust-Gedenktag festzulegen. In einer Pressemeldung der Gedenkstätte in Jerusalem vom Montag heißt es, dass Shalev am Wochenende mit Klestil zusammengetroffen sei. Auch Österreich sollte dem Beispiel Deutschlands, Italiens, Schwedens und Großbritanniens folgen und einen offiziellen Gedenktag für die Shoah einrichten. Klestil bezeichnete das als eine "gute Idee". Er werde sich für die Umsetzung des Vorschlags einsetzen. Klestil drückte auch seine Unterstützung für eine Fortsetzung der Lehrerseminare österreichischer Erzieher aus, die in Yad Vashem in die Geschichte eingewiesen werden. Ebenso sei Klestil bereit, das Vorwort zu einer Geschichte der österreichischen "Gerechten der Völker" zu verfassen, die in Yad Vashem veröffentlicht werden soll. "Gerechte der Völker" sind Nichtjuden, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor dem Tod bewahrt haben und von Yad Vashem als "Gerechte" anerkannt und geehrt worden sind. Shalev sagte, dass Klestils Einstellung beweise, dass es in Österreich ein "erhöhtes Bewusstsein für die Ereignisse während der Shoah, des Gedenkens an die Opfer und die Lehren aus dem Holocaust gebe". Genugtuung in Israel über österreichische Holocaust-Seminarteilnahme Zwanzig österreichische Schuldirektoren und Lehrer sind in Israel, um sich an einem Seminar der Gedenkstätte für die sechs Millionen jüdischen Naziopfer, "Yad Vashem", in Jerusalem zu beteiligen. Das Forum erörtert Fragen des Unterrichts über den Holocaust und seine Lehren bezüglich Fremdenhass und Behandlung von Minderheiten. Das israelische Fernsehen meldete am Montag, dass die meisten Seminardelegationen ihre Teilnahme wegen der Nahost-Unruhen abgesagt hätten und dass gerade Österreich, wo eine Koalition unter Einschluss der rechtspopulistischen FPÖ herrsche, nicht auf die Teilnahme verzichtet habe. Das Pilotprojekt entstand ursprünglich auf Initiative des heutigen deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau, als diser noch SPD-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen war. 1998 kam eine erste Gruppe deutscher Lehrer nach Israel, um zwei Wochen lang den Holocaust, seine Ursprünge und Folgen zu studieren. (APA)