Wien - Der bisherige Erfolg des AUA- Vorstands im Kampf gegen Niki Lauda und den eigenen Aufsichtsratschef, Rudolf Streicher trägt im wesentlichen einen Namen: Ewald Weniger (61). "Nur die wenigsten können es sich leisten, ihn zum Anwalt zu nehmen, ihn zum Gegner zu haben kann unangenehm werden", meinen jene die bereits mit Weninger zu tun hatten. Seit seiner Bestellung zum AUA-Anwalt schauen viele gespannt auf seine strategisch hervorragend gesetzten Schachzüge. Was er bisher zeigte, war ein Lehrbeispiel für alle Führungskräfte und angehende Wirtschaftsanwälte, wie man den Gegner im wesentlichen mit zwei "Waffen" bekämpft: Dem Aktienrecht und der Geschäftsordnung des jeweiligen Hauses. Streichers Formalfehler Streicher machte - vielleicht aus Selbstüberschätzung gepaart mit übertriebener Eitelkeit - besonders viele Formalfehler. Er missachtete als ÖIAG-Chef die Organdisziplin und befindet sich (als Aufsichtsratschef von AUA und Lauda) im ständigen Interessenskonflikt. Unvereinbarkeit nennen das Experten. Die Folge: Er scheiterte im AUA- Aufsichtsrat damit, Tyrolean- Chef Fritz Feitl als AUA-Boss zu installieren. Und was Lauda betrifft, so prüft derzeit die KPMG, ob es stimmt, dass er sich wiederholt nicht an das Aktienrecht gehalten hat. Was Weninger zudem stark macht, ist sein Netzwerk an Beziehungen in der ganzen Welt. In New York sitzt einer seiner Söhne, der dort selbst als Anwalt erfolgreich ist. Vom Netzwerk profitierte auch die AUA, weil Weninger es war, der in Mailand recherchierte und schließlich nachweisen konnte, was viele ver 2. Spalte muteten: Die Lauda Air Italia gehört mehrheitlich Laudas Privatstiftung, und nicht wie von ihm angegeben einer Investmentbank. Ein klassischer Rechtsbruch. Im weitaus größerem Ausmaß als jetzt die AUA, profitierte bisher die Bank Austria und deren Chef Gerhard Randa von Weningers internationalen Beziehungen. Als die Russland-Geschäfte der Bank drohten, das Institut in erhebliche Schieflage zu bringen, gelang es Weninger wie durch ein Wunder, an dem Tag, an dem es die Bank Austria brauchte, den Rubel-Kurs auf ungeahnte Höhen zu pushen, um am nächsten Tag wieder, in unergründliche Tiefen zu grundeln. Und auch beim jüngsten Zusammenschluss der Bank Austria mit der HypoVereinsbank führte Weninger für Randa die juristische Regie. Das machte dem bereits rei 3. Spalte chen Anwalt noch reicher. Die vielen heißen Kartoffeln, die Weninger für den Bank-Austria-Chef bereits aus dem Feuer holte, schafft Vertrauen. Und da fügte es sich, dass Randa im Aufsichtsrat der AUA sitzt. Gemeinsam mit den Banker-Kollegen Helmut Elsner (Bawag) und Walter Rothensteiner (RZB) konnten sie Streichers Begehr, Feitl die AUA-Führung zu übertragen ebenso wenig abgewinnen wie der AUA-Betriebsrat. Warten auf den nächsten Schachzug Weningers Sollten die Gerüchte stimmen, dass der blau-schwarz gefärbte ÖIAG-Aufsichtsrat (die ÖIAG hält 39,7 Prozent an der AUA) nun daran geht, bei der AUA mittels Hauptversammlung die Zusammensetzung des Aufsichtsrates zu ihren Gunsten zu verändern, dann warten wohl viele auf den nächsten Schachzug Weningers. Denn dass sich die drei Banker, die als Vertreter des Österreich-Konsortiums in AUA-Aufsichtsrat sitzen, aus dem Gremium drängen lassen, ist nicht zu erwarten. Solange also gewahrt ist, dass die drei Banker im AUA- Aufsichtsrat sitzen und der Betriebsrat einer Vorstandsveränderung nicht zustimmt, wird es schwer sein für den Haupteigentümer hinein zu regieren. Da hilft auch die blaue Brachialgewalt nicht, mit der Thomas Prinzhorn und Alfred Heinzel (ÖIAG- Aufsichtsratschef) offenbar versuchen, der FPÖ wohlgesinnte Personen im Kontrollgremium der AUA unterzubringen. Den Einfluss dieser beiden Herrn sieht man am deutlichsten bei der Bestellung der neuen Infrastrukturministerin, Monika Forstinger, die eine Angestellte Heinzels war. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14 . 11. 2000)