Wien - Auf dem Weg zur "bildungspolitischen Bananenrepublik" sieht der Vorsitzende der Hochschülerschaft (ÖH) Martin Faißt Österreich nach der Einführung von Studiengebühren. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern besitze man schon heute die niedrigste Akademikerquote. Trotzdem wiesen ausländische Manager immer wieder auf die gute Ausbildung der Bevölkerung hin. Dieser Standortvorteil würde durch die geplanten Maßnahmen der Regierung aber gefährdet werden, befürchtete Faißt am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Regierung forderte Faißt auf, ihren Fehler einzugestehen und eine offensive Bildungspolitik zu betreiben. Die ÖH sei bereit, bei einer groß angelegten Universitätsreform mitzuarbeiten. Diese müsse eine Aufwertung der Lehre gegenüber der Forschung sowie die Einführung einer verpflichtenden Evaluierung der Lehre beinhalten. Kritik des Universitätslehrerverbands (ULV), wonach die ÖH zu wenig Werbung für Aktionen gegen die Einführung von Studiengebühren mache, wies Faißt zurück. Der ULV stehe auf dem Standpunkt, dass man ausschließlich gegen Studienbeiträge kämpfen solle und das Dienstrecht für Universitätsangehörige unverändert lassen solle. Eine umfassende Uni-Reform müsse aber auch eine Änderung des Dienstrechts beinhalten, das insgesamt leistungsbezogener werden solle. Leider habe die Regierung mit der Kürzung bei den Prüfungstaxen - für Faißt der "einzige leistungsbezogene Gehaltsbestandteil" - dieses Anliegen konterkariert. "Der wirklich große Wurf beim Dienstrecht fehlt bei Weitem", bedauerte Faißt. (APA)