Wien - Bei der Lauda Air Italia wird ein Scheingeschäft im Wert von 80 Mio. S vermutet, auf das der Wirtschaftsprüfer Deloitte & Touche im Auftrag der AUA bei seinen Nachforschungen stieß. Das verlautet aus Aufsichtsratskreisen. Airline-Chef Niki Lauda, dessen Privatstiftung offiziell bisher 20 Prozent an der italienischen Tochter hielt, zu Wochenbeginn aber dann doch zugab, dass seine Stiftung Mehrheitseigentümerin der italienischen Tochter ist, bestreitet das Scheingeschäft. Er habe die Vermögensverhältnisse seiner Stiftung offen gelegt und warte auf das Ergebnis der nun laufenden KPMG-Prüfung ab. Vor rund zwei Jahren habe die Lauda Air der Lauda Air Italia ein Optionsrecht für ein Flugzeug im Wert von 70 Mio. S (5,1 Mio. €) übertragen. Geld soll keines geflossen sein. Im Vorjahr hat dann die Lauda Air Italia dieses Optionsrecht mit der Begründung des gestiegenen Dollarkurses an ein Lauda nahe stehendes Unternehmen um 149 Mio. S weiterverkauft. Die Geschäfte wurden über eine Firmenkonstruktion unter Einbeziehung von Volante, Finnat Fiduciaria und Lauda Air Italia abgewickelt. Die Volante ist mit 67 Prozent Haupteigentümerin der Lauda Air Italia. An ihr ist die Lauda Privatstiftung mit 20 Prozent beteiligt. 77 Prozent hält die Treuhandgesellschaft Finnat Fiducaria, deren Treugebern auch die Lauda Privatstiftung ist. Belastet durch diese Geschäfte werde aber das Ergebnis der börsenotierten Lauda Air AG in Wien, heißt es. Die Geschäfte sollen immer am 31. Oktober, dem letzten Geschäftstag des Bilanzjahres der Lauda Air und Lauda Air Italia, abgeschlossen worden sein. Der von Lauda bestellte Wirtschaftsprüfer habe darauf- hin der Lauda Air Italia nur einen eingeschränkten Bestätigungsvermerk in den Büchern ausgestellt. Bei den vom Lauda-Aufsichtsrat nicht genehmigten Bilanzmaßnahmen, bei der durch die Umschichtung von Leasing-Verträgen 1,1 Mrd. S lukriert wurden und eine Insolvenz zu verhindern, musste die Lauda Air dann effektiv 149 Mio. S an die Treuhandgesellschaft Finnat Fiduciaria zahlen. Von den 149 Mio. S flossen rund 70 Mio. S an die Lauda Air Italia. Über den Verbleib von 79 Mio. S wird derzeit "intensiv nachgeforscht", heißt es. AUA wartet noch zu Die AUA möchte dazu vorerst keine Stellungnahme abgeben. Sie wartet auf den Prüfbericht der KPMG sowie die aktienrechtliche Sonderprüfung laut Paragraph 118. An der Lauda Air Italia, die im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von rund 80 Mio. S schrieb, hält die Lauda Air Österreich 33 Prozent. Allerdings wurde dieser Anteil bei der Lauda Air in der Bilanz bisher nicht konsolidiert. Lauda hält dem entgegen, dass die österreichische Mutter von der italienischen Tochter durch Leasing- und Wartungsverträge jährlich mit 100 Mio. S profitiere. Der Geschäftsführer der Lauda Air Italia, Andrea Molinari, legt in einem Schreiben an den Standard Wert auf die Feststellung, dass die Lauda Air Italia s.p.a. eine italienische Airline ist. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe 16.11.2000)