Wien - Wo gibt's das schon, dass man sich auf seinen Fehlplanungen ausruhen kann? Ab Freitag ist jeder dazu eingeladen, missratene oder einfach liegen gebliebene Projekte in der Schönbrunner Straße 88a vorbeizubringen. Dort werden sie von Barbara Holub und Paul Rajakovics zu praktischen Ruhekissen verarbeitet. Deren temporäre Agentur "Paratransdiso" ist eine von vier architektonischen Interventionen, die bis 2. Dezember an leer stehenden Geschäftslokalen in der Schönbrunner Straße vorgenommen werden. "Making it" nennt sich das Projekt, das von dem Architekten Mark Gilbert und dem Gebietsbetreuer Wolfgang Niederwieser organisiert wurde. Bereits in Ottakring bewährt Das hier angewendete Konzept, Leerstände interimistisch mit kulturellen Aktivitäten zu beleben, hat sich schon in Ottakring und zuletzt im Oktober in der Gumpendorfer Straße beim "cultural sidewalk" bewährt. Auch in Margareten wird dabei mit dem "ServiceCenter Geschäftslokale" der Wiener Wirtschaftskammer kooperiert. Mit großem Erfolg. "Ursprünglich wollten wir das Projekt in der Reinprechtsdorfer Straße durchführen", berichtet Herlinde Rothauer. Daraus sei nichts geworden. Nur noch ein Geschäftslokal stand leer. Deswegen ist das Architekturbüro BEHF gemeinsam mit dem Büro X nun in der Schönbrunner Straße 74 vertreten. Als Projekt gegen die "Vergaragierung" der Erdgeschoßzonen will Erich Bernhard die "Installation" verstanden wissen, die hier für Irritation sorgt. In dem leeren Geschäftslokal ist nichts. Nichts außer Luft, die von den Passanten via Touchscreen zu färbigem Nebel verwandelt werden kann. Ähnlich verfährt das Duo Fuchs/Harnoncourt bei seiner Arbeit "Stadtwind" auf Nummer 50. Auch hier wird das leer stehende Geschäft nicht einfach mit einer neuen Funktion belegt, die Architekten haben lediglich das Glasportal vor der Auslage entfernt. Ob nur der Wind die frei gewordene Öffnung erkundet oder auch neugierige Passanten, bleibt deren Experimentierfreude überlassen. Veech.Media schließlich haben ein paar Schritte weiter eine Fassade abgehängt, die nachts zur transluzenten Fläche wird. Nur einzelne Gucklöcher geben den Blick in das Innere des Geschäftslokals frei, in dem unter anderem eine "reality bar" wartet. (tapa) (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.11.2000)