London/Singapur - Neue Daten des US-Energieministeriums zu den amerikanischen Heizölvorräten und Forderungen des Irak nach einem Aufschlag auf den offiziellen Preis haben die Ölpreise am Donnerstag zeitweise auf ihr höchstes Niveau seit fünf Wochen getrieben. Händler befürchten nun, dass der Ölpreis bis zum Jahresende die 40-Dollar-Marke (46,5 Euro/640 S) erreichen könnte. Im Fernost-Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der führenden US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) am Morgen 35,30 Dollar, nachdem in New York sogar 35,65 Dollar bezahlt worden waren. Im europäischen Vormittagsgeschäft bröckelten die Preise wieder ab. Das Barrel der marktführenden Sorte Brent aus der Nordsee kostete am Vormittag im Jänner-Kontrakt 32,95 Dollar und damit 22 Cents weniger als am Vorabend. US-Heizölvorräte abgeschmolzen Das US-Energieministerium hatte am Mittwochabend berichtet, in den USA seien die Heizölvorräte um 500.000 Barrel auf 47,8 Mill. Barrel abgeschmolzen. Damit lägen die Bestände um 31 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Händlern zufolge hat das Ministerium damit die Tendenz bestätigt, die sich an den am Vortag vom American Petroleum Institut (API) vorgelegten Zahlen gezeigt hatte. Danach hatten die Heizölbestande in der Woche zum 10. November um 665.000 Barrel abgenommen. Die Zahlen hätten die Befürchtungen verstärkt, dass es in den USA in den Wintermonaten zu Versorgungsengpässen kommen könnte, sagten Händler. Bei einer länger anhaltenden Frostperiode sei nicht auszuschließen, dass der Ölpreis bis zum Ende des Jahres 40 Dollar erreichen könnte. "Es gibt aktuell genug Öl am Markt" Immer mehr Branchenexperten und Analysten bestätigen mittlerweile zumindest teilweise die Einschätzung der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), dass der Markt nicht unterversorgt ist. "Es gibt aktuell genug Öl am Markt," sagte John Vautrain, Vice-President bei Purvin & Gertz in Singapur. Die Raffinerien hätten keinen Mangel an Rohöl, aber niemand wolle kaufen und seine Lager füllen. Irak Für Verunsicherung am Markt sorge einmal mehr der Irak, sagten Händler. Irak fordere von seinen Kunden ab 1. Dezember einen Aufschlag von 50 US-Cents über den offiziellen Ölpreis hinaus. Dieser solle auf ein nicht von der UNO kontrolliertes Konto eingezahlt werden. Zwar weigerten sich die Kunden Iraks, weil sie damit wissentlich gegen das seit dem Golfkrieg vor zehn Jahren bestehende UNO-Embergo verstoßen würden, doch sei man am Markt nicht sicher, wie der Irak reagieren werde. (APA/Reuters)