Wien - Im seit Wochen tobenden "Bierkrieg", der nach Ablauf der Annahmefrist für die beiden Übernahmeofferte am Montag zu Mitternacht vorentschieden sein dürfte, soll es nun "Friedensverhandlungen" geben. Sonntagabend hatte sich Johannes Brandl, bis Ende 1998 BBAG-Konzernvorstandschef und heute Aufsichtsrat in der obersten Eigentümerholding Getränke Holding (GH) sowie in der Schwechat AG für Friedensgespräche zwischen den beiden rivalisierenden Familienaktionärsgruppen stark gemacht und sich als Vermittler angeboten. Nun geht es um die Bedingungen zur Kriegsbeilegung. "Wir haben den Krieg nicht begonnen", hieß es am Montag aus dem Vorstand der Getränke Management AG (GM AG) der Tiroler Familie Marsoner. "Von unserem Angebot ist niemand ausgeschlossen". Freilich sei es hoch an der Zeit, dass im Konzern wieder Ruhe eintrete. In der Tiroler Gruppe (Marsoner/Swarovski/Rainer) teile man die Meinung des Betriebsrates, dass Unternehmensinteressen Vorrang vor persönlichen Interessen haben müssten. "Vermittlungsangebote hoch willkommen" Daher seien "Vermittlungsangebote unabhängiger Dritter selbstverständlich hoch willkommen", so die GM AG heute. Würden im obersten Eigentümersyndikat der Braugruppe bei einer Umstrukturierung wieder alle an einem Strang ziehen, würde kein Kontrollwechsel laut Übernahmegesetz eintreten, der ja - wie berichtet - kostspielige Pflichtofferte für Aktien der börsenotierten Biergesellschaften nach sich zöge. Übernahmeschlacht im Gange Im Machtkampf der Eigentümer-Familien des größten österreichischen Braukonzerns, der BBAG/Brau-Union-Gruppe mit rund 6.600 Beschäftigten im In- und Ausland, tobt eine an Auslandsakquisitionen und künftigen Kooperationspartnern entzündete Übernahmeschlacht zwischen der Tiroler Gruppe (Marsoner/Swarovski/Rainer) und einer Linzer Gruppe um BBAG-Vorstandschef Karl Büche, Ludwig Beurle und Fritz Kretz. Bis Montag um Mitternacht haben die 630 GH-Aktionäre Zeit, die rivalisierenden Übernahme-Angebote anzunehmen. Während bei der "Linzer" Gruppe, die via "Hopfen & Malz AG" um die GH-Mehrheit bietet, die beim Treuhänder eingegangenen Treuhandaufträge zählen, werden bei der "Tiroler" die beim Notar Nikolaus Michalek eingelangten Akzepte gezählt, wobei der heutige Poststempel gilt. Mit Ergebnissen wird bei den Tirolern nach notariell beglaubigter Auszählung im Laufe des Dienstag gerechnet. Die "Linzer" wollen, da die eingelangten Treuhandaufträge "exekutiert" werden müssen, erst ab Mitte der Woche ein aktienrechtliches "Zwischenergebnis" bekannt geben, wie gestern Abend erklärt wurde.(APA)