Mainz - Die Schriftstellerin und überzeugte Kommunistin Anna Seghers ist nach einem Fernsehbericht von der DDR-Staatssicherheit ausspioniert worden. Für das ZDF haben die Autoren Karl Heinz Meier und Frank Vorpahl erstmals die Stasi-Akte der prominentesten DDR-Schriftstellerin ausgewertet, wie der Mainzer Sender am Donnerstag mitteilte. Die Dokumentation "Verkannt - Vergessen? Anna Seghers zum 100. Geburtstag" wird am Sonntagabend ausgestrahlt. Die 500-seitige Akte aus der so genannten Gauck-Behörde zeige das unbekannte Bild einer überzeugten Kommunistin, die die DDR-Führung misstrauisch gemacht habe, hieß es weiter. Entgegen bisheriger Erkenntnisse habe sich Seghers für ihren unschuldig zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilten Verleger Walter Janka eingesetzt. Die Spitzel notierten demnach eine "empörte Haltung der Seghers zu Gunsten des Janka". Die Aufrichtigkeit der Worte ... Nachdem SED-Chef Walter Ulbricht Seghers zum 65. Geburtstag gratuliert habe, habe diese vor dem versammelten Politbüro geantwortet: Hoffentlich seien die "schönen Worte" auch "aufrichtig gemeint". Dafür sei die Schriftstellerin zu Ulbricht bestellt worden. Ärger habe es auch gegeben, als sich Seghers für den verfolgten Schriftsteller Alexander Solschenizyn eingesetzt habe, der den Nobelpreis bekommen sollte. Auch die US-Bundeskriminalpolizei FBI habe umfangreiches Material über die Schriftstellerin gesammelt, heißt es in der Dokumentation weiter. Demnach wurde Seghers weltberühmter Roman "Das siebte Kreuz" von US-Agenten auf geheime Botschaften untersucht, die angeblich einer kommunistischen Verschwörung dienten. Seghers floh vor den Nazis ins mexikanische Exil. Nach dem Krieg ließ sie sich in Ostberlin nieder. Die Schriftstellerin starb 1983. Am 19. November dieses Jahres wäre sie 100 Jahre alt geworden. (APA/AP)