Wien - Der börsenotierte Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm plant für heuer eine leichte Steigerung der Dividende. "Wir erwarten sowohl bei Umsatz, Ergebnis und Produktivität 2000 das beste Resultat seit der Gründung von Böhler-Uddeholm im Jahr 1991", sagte Generaldirektor Claus Raidl Donnerstag abend vor Journalisten. Für das Geschäftsjahr 1999 hat Böhler-Uddeholm eine Dividende von 2 Euro (27,52 S) je Aktie bezahlt, um 1 S mehr als im Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr 2000 erwartet Böhler-Uddeholm eine Umsatzsteigerung um 15 Prozent auf rund 1,4 Mrd. Euro (rund 20 Mrd. S). Neben einer Mengensteigerung um 11 Prozent und moderaten Preiserhöhungen um 1 bis 2 Prozent soll dazu die Sortimentsverschiebung auf höherwertige Produkte beitragen, sagte Finanzchef Horst Königslehner. "Auch der US-Dollar hat uns dabei sehr geholfen". Investitionen um rund 100 Millionen Euro Die Investitionen im laufenden Jahr werden rund 100 Millionen Euro betragen, im Hinblick auf die Abschaffung des Investitionsfreibetrags ab 1.1.2001 werden heuer noch Projekte vorgezogen. In der vergangenen Woche hat Böhler-Uddeholm den Spatenstich für eine Kapazitätserweiterung bei den Ybbstalwerken in Waidhofen vorgenommen. Die Eigenkapitalquote des Böhler-Uddeholm-Konzerns liegt derzeit bei 40 Prozent, die liquiden Eigenmittel bei 3 Mrd. S. Die gearing-ratio (Fremdverschuldung zu Eigenkapital) beträgt derzeit 47 Prozent und soll im Gesamtjahr auf 43 bis 45 Prozent sinken. Bei einer Großinvestition würde in Kauf genommen, die gearing-ratio bis zu einer Obergrenze von 100 bis 110 Prozent (also etwas mehr Fremdschulden als Eigenkapital) ansteigen zu lassen. Für 2001 erwartet Raidl ein sehr gutes erstes Halbjahr, das zweite Halbjahr "wird nach unserer heutigen Einschätzung schwächer werden". Insgesamt sollte 2001 für Böhler-Uddeholm aber wieder ein gutes Jahr werden, das gesamthaft leicht unter den Werten von 2000 liegen werde. In Amerika erwartet Raidl eine Abschwächung beim Edelstahlgeschäft im manufacturing-Bereich um 7 bis 9 Prozent, Europa sollte dagegen weiter "recht gut sein". Unzufrieden mit Metaller-Lohnabschluss Unzufrieden zeigte sich Raidl mit dem Metaller-Lohnabschluss, den er als viel zu hoch ansieht. Wenn der Umsatz nicht "besonders" steige, müsse Böhler-Uddeholm zur Produktivitätsverbesserung beim Beschäftigtenstand "alle Reserven lukrieren". Der Personalstand von 9.008 (weltweit) nach den ersten drei Quartalen 2000 sei auf vergleichbarer Basis zum Vorjahr um 2 Prozent gestiegen (mit dem Verkauf der Messer- und Sägenproduktion von Böhler Miller ist der Mitarbeiterstand um 2 Prozent gesunken). Für künftige Lohnverhandlungen wünscht sich Raidl, dass mehr ergebnisabhängige Faktoren auf Betriebsebene berücksichtigt werden. Überhaupt sollten "professionelle Leute" die im Vergleich zu den Gewerkschaftern (Rudolf Nürnberger und Walter Laichmann) "sehr unvorbereiteten Arbeitgeberverhandler" unterstützen. Konkret nannte Raidl den Leiter der Wirtschaftspolitik in der Industriellenvereinigung, Erhard Fürst. Für Betriebe mit einem gewinnabhängigen Prämiensystem, wie die Böhler-Betriebe, sollte es nur eine Basiserhöhung geben, die etwa um 1 Prozent unter dem allgemeinen KV-Abschluss liegen könnte. Böhler-Uddeholm habe zuletzt eine Maximalprämie von 16.000 S pro Mitarbeiter ausgeschüttet, das entspreche allein einer Lohnerhöhung um 4 Prozent. Den Beitrag zum Versöhnungsfonds für NS Zwangsarbeiter (36 Mill. S, das sind 0,2 Promille des Umsatzes) wird Böhler-Uddeholm zu einem geringen Teil (6 Mill. S) auch in Deutschland zahlen. Die ÖIAG zahlt insgesamt 500 Mill. S als Betroffenheitsfaktor, zusammen mit den betrieblichen Zahlungen soll eine Mrd. S aufgestellt werden. (APA)