Wien/Villach - "Die Suppe war einfach zu dünn. Die Verfehlungen, die Horst Binder vorgehalten werden, sind sowohl strafrechtlich als auch dienstrechtlich verjährt." So rechtfertigt Arnulf Komposch als Leiter des Disziplinarsenates die Aufhebung der Suspendierung des Leibwächters von Jörg Haider. Im Gespräch mit dem Standard meinte Komposch, dass von den gegen Binder erhobenen Vorwürfen vor allem dessen Brief an Haider übrig geblieben sei: "Und da ist ein graphologisches Gutachten beigelegt, wonach die Unterschrift nicht von Binder sein soll." Dass es sich bei dem Gutachten um ein Privatgutachten handelt, räumt Komposch jedoch als durchaus "problematisch" ein. Der Villacher Komposch war nach seinem Jusstudium bei der Kriminalpolizei tätig und gilt seit Jahren als einer der Bewerber um den Posten des Kärntner Sicherheitsdirektors. Er ist seit vier Jahren Leiter der verwaltungspolizeilichen Abteilung in Villach. In SP-Kreisen aufgewachsen - sein Vater war jahrzehntelang roter Bürgermeister in Arnoldstein - hat Komposch die SP-Mitgliedschaft vor einem Jahr zurückgelegt. Er sei bei keiner anderen Partei Mitglied, betont Komposch. Den Sonderparteitag der FPÖ habe er "aus dienstlichen Gründen" aufgesucht. Dass ihm seine Entscheidung im Fall Binder bei der Bewerbung um den Sicherheitsdirektor die Unterstützung Haiders sichern könnte, relativiert Komposch: "Die Entscheidung fällt der Innenminister, wenn auch in Absprache mit dem Landeshauptmann." Als erste Wahl von Innenminister Ernst Strasser gilt der Klagenfurter Sicherheitsdirektor Ernst Frießnegger. (kob, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19. 2000)