Wien - Kaum sind die Kaprun-Opfer beerdigt, wird er aktiv werden: US-Anwalt Ed Fagan will dann in New York Schadensersatzklagen für die Hinterbliebenen einbringen. "Ich habe derzeit das Mandat von 16 bis 20 Familien bekommen. Über das Wochenende können es aber mehr werden", sagt Fagan im Gespräch mit dem Standard. Auch einige Österreicher sollen unter seinen Klienten sein. Erstmals nennt Fagan auch eine Summe, die im Falle eines Prozessgewinnes erstritten werden könnte: "Das kann bis zu fünf Millionen Dollar (rund 80 Millionen Schilling) bringen." Dies sei auch der Grund, vor ein amerikanisches Gericht zu ziehen. In Österreich ist die höchste Entschädigungssumme vier Millionen Schilling - wenn keine grobe Fahrlässigkeit vorliegt. Fagan ist überzeugt, dass US-Gerichte sich als zuständig erklären werden: "Es muss nur einen Konnex geben. Etwa, dass ein schadhafter Teil des Zugs aus den USA stammt." Auch wenn durch Geld die Menschen nicht ersetzt werden können, sollten "die Verschulder teuer dafür bezahlen, was sie genommen haben". Unklar ist noch, wer Adressat der Klagen sein wird. Fagan: "Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Es können der Tunnelerbauer, der Betreiber, ein Reiseveranstalter oder die Zugkonstrukteure sein." Aufräumen will der Anwalt mit der Mär, eine Sammelklage einbringen zu wollen: "Die so genannten Experten in Österreich demonstrieren damit, dass sie weder Ahnung von Sammelklagen noch eine Idee davon haben, wie man mit derartigen Katastrophen umgeht." Er werde für jedes Opfer eine individuelle gerichtliche Lösung anstreben. Obwohl: "Die meisten derartigen Fälle kommen gar nicht vor Gericht. Man einigt sich vorher." Warum er sich in dieser Frage engagiert, erklärt Anwalt Fagan simpel: "Ich bin gut. Ich erstreite viel Geld für die Opfer." Seine Kritiker würden dieses Faktum außer acht lassen. Sie seien so und so nur "eifersüchtige, wütende Menschen". (DerStandard, Print-Ausgabe, 18. 11. 2000, Peter Mayr)