Wien - Im Mittepunkt der Nachmittagssitzung des Untersuchungsausschusses zur Euroteam-Affäre standen Projekte des SP-nahen Vereins im Rahmen der so genannten "Lehrlingsoffensive" zur Zeit der Großen Koalition - konkret: "Der Jugend eine Chance" und "Betriebsberatung". Warum ausgerechnet Euroteam für diese Projekte ausgewählt wurde, konnte der Rechnungshof-Beamte Alexander Schindler nicht sagen. Von "einzigartiger Technik" könne jedenfalls keine Rede sein: "Unserer Meinung nach hätten sehr wohl Vergleichsangebote eingeholt werden müssen." Die Zufriedenheit des Arbeitsmarktservice (AMS) mit "Betriebsberatung I" habe sich in Grenzen gehalten, berichtete Schindlers Kollege Viktor Cypris. Dennoch habe das Sozialministerium dem AMS gegen dessen Willen die Durchführung eines Folge-Projekts empfohlen. Erst "Betriebsberatung III" sei abgesagt worden, weil die Causa Euroteam damals bereits in der Öffentlichkeit gestanden sei. Als Hauptkritikpunkt nannte der Zeuge die geringe Auslastung der Berater: Sie hätten durchschnittlich nur eine Beratung pro Tag durchgeführt. Zeugen wussten nichts von Interventionen Eine Entkräftung der Vorwürfe des Rechnungshofes durch andere Berichte - etwa den des Wirtschaftsprüfers Wolfgang Nikolaus - konnte Cypris nicht erkennen. Von Interventionen des Sozialministeriums zugunsten der Firma Euroteam wollte allerdings ebenfalls keiner der Zeugen sprechen. FP-Abgeordneter Rainhart Gaugg bezeichnete Euroteam als "sensationellen Selbstbedienungsladen" unter den Augen des AMS und des Sozialministeriums. Für die ÖVP sprach Helmut Kukacka von einer "sehr oberflächlichen, sehr fahrlässigen" Vorgangsweise des AMS. SPÖ-Abgeordneter Otmar Brix betonte, es gebe keine Beweise für Interventionen des Sozialministeriums. Der Grüne Karl Öllinger wollte das nicht gelten lassen: "Dann nennen wir das halt nicht Interventionen. Nennen wir es Missbrauch von Steuergeldern". Zeitmangel beklagt Ausschuss-Vorsitzende Helene Partik-Pable lobte die "sehr disziplinierte" Sitzung, beklagte aber gleichzeitig den Zeitmangel. Trotz Überziehung der Sitzungszeit konnten am Montag nur vier Zeugen gehört werden. Die Einvernahme der restlichen sechs Beamte von Rechnungshof und Sozialministerium musste auf die nächste Sitzung am 27. November verschoben werden. (APA)