München/London - Während das erste Klonschaf - nicht "Dolly", die aus einem erwachsenen Tier geklont wurde, sondern ihre Vorläuferin "Morag", die aus Embryozellen stammt - gerade seine letzte Ruhe im Royal Museum von Edinburgh gefunden hat, wird anderswo die Debatte um die - durch "Morag" und "Dolly" vorangetriebenen - Biotechniken umso lauter: Im Europäischen Patentamt (EPA) in München hat Greenpeace wieder ein Patent auf ein Mensch/Tier-Mischwesen gefunden, im britischen Parlament steht eine große Abstimmung darüber an, ob menschliche Embryonen zum "therapeutischen Klonen" verwendet werden dürfen.Streit in München Zuerst nach München. Dort tagt seit heute die Vertragsstaatenkonferenz des Europäischen Patentübereinkommens (EPÜ), das vom EPA administriert wird. Das EPA hat Anfang 1999 der australischen Firma AMRAD ein Patent erteilt, in dem es auch um "chimaeric animals" geht, Mischwesen verschiedener Tierarten, zu denen auch der Mensch gehört. Dabei sollen in Tierembryonen - "von Mäusen, Vögeln, Schafen, Rindern, Vögeln (Hühnern) oder Fischen" - Fremdgene eingebracht werden, mittels "embryonaler Stammzellen" wieder aller genannter Tierarten plus der Art "Mensch". Solche Patente werden offenbar öfter beantragt - Ziel ist die Gewinnung von Transplantatgewebe aus embryonalen Zellen -, zwei Anträge hat Greenpeace früher schon an die Öffentlichkeit gebracht. Das EPA wies jeweils darauf hin, dass es keine Genehmigungen seien und diese wegen ethischer Gründe auch keine Chance hätten. Laut EPA ist auch das jetzt fragliche Patent noch nicht erteilt, aber dort steht deutlich: "date of grant of the patent: 20.01.1999". Wie auch immer, Greenpeace will mit seinem Vorstoß zum Konferenzauftakt nicht nur das Problem der Mischwesen, sondern viel allgemeiner das der Patentierung von Leben - 2000 Patente auf Gene sind am EPA beansprucht, 300 erteilt, bei Tieren von 600 etwa ein Dutzend, bei Pflanzen von 1500 etwa 100 - neuerlich debattiert sehen. In diesem Problem stützt sich das EPA auf EU-Entscheidungen - aber das EPÜ ist kein EU-Organ, sondern ein eigener Rechtskörper auch mit EU-Nichtmitgliedern. Von EPA fordert Greenpeace eine Rückkehr zur früher rigideren Haltung bei der Lebenspatentierung. Debatte in London Ebenso heikel und komplex liegen die Dinge in London, wo die Regierung im August einen Gesetzentwurf eingebracht hat, der die Nutzung von Embryonen zum "therapeutischen Klonen" genehmigen will. Auch dabei geht es um Transplantatgewebe, aber es soll nicht von Mischwesen kommen, sondern von menschlichen Embryonen, die dabei zerstört werden. Der Vorstoß der Briten war der weltweit erste, er stieß im Parlament bisher auf wenig Gegenliebe. Auch EU-intern ist die Frage hoch umstritten: Das EU-Parlament hat sich gegen das "therapeutische Klonen" ausgesprochen, Berater der EU-Kommission halten es laut Nature für "verfrüht". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 11. 2000)