"Ach ja der Scheck. Ich weiß ja gar nicht, was ich mit so viel Geld machen soll." Heinz Schilchegger (27) sagte das, ehe er das Podium erklomm, sich auf einem solchen erstmals in die Mitte stellen durfte, um einen Blumenstrauß, einen Pokal und einen Scheck über 50.000 Schweizer Franken in Empfang zu nehmen und der österreichischen Bundeshymne zu lauschen. Soeben hatte er den Slalom von Park City gewonnen mit einer augenweidenden, ideal gecarvten Fahrt vor allem im zweiten Lauf. Schilchegger war in diesem Rennen die größte Ausnahme von der Regel, die da sagte, die vorderen Numern waren bevorzugt. Im ersten Lauf hatte er Startnummer 35, und da er die vierte Zeit fuhr, im zweiten die Nummer 27, quasi, denn 30 Männer qualifizieren sich für den zweiten Durchgang, und sie fahren in umgekehrter Reihenfolge, also der mit der 30. Zeit als Erster. Schilchegger siegte vor seinem Mannschaftskollegen Mario Matt (überlegene Bestzeit im ersten Lauf mit Nummer eins) und dem Norweger Kjetil Andre Aamodt, was die Weltordnung nach dem überraschenderweise nicht von einem ÖSV-ler gewonnenen Riesenslalom wieder herstellte. Vermutlich wird man auch von Florian Seer (9.) noch Lauteres hören, der sich via Europacup sein Fixleiberl holte und dies nun auch im Riesenslalom tun möchte. Oder von Michael Walchhofer (12.) oder von Kilian Albrecht, der allerdings in Park City nach gutem Beginn vom rechten Weg abkam, der Albrecht, der in der vergangenen Saison kein einziges Mal ausgefallen war. Nie mehr auslachen Schilchegger ist ja schon lange der Meinung, dass er über das gleiche Potenzial verfüge wie seine erfolgreichen Kollegen, das habe ihm das Trainings stets bewiesen. Doch zu mehr als drei dritten Plätzen im Riesenslalom, zum Militärweltmeister und zum internationalen slowenischen Meister hat es bisher nicht gereicht. Weltmeisterschaften und Olympische Spiele kennt er nur aus dem Fernsehen. Bei seinem ersten Slalom, einem in Sestriere und in der Nacht, erzählt er jetzt schon genüsslich, haben ihn einige, die ganz wichtig sind beim ÖSV, ausgelacht, weil er solange am Berg war. Weil es aber am Skifahren nicht liegen konnte, hat er, der seit 1996 den Weltcup schmückt, heuer mit kundiger Hilfe den Kopf trainiert, und das wirkt offenbar. In ihn, den Kopf, muss aber der Sieg erst so richtig hinein, auch das wird noch eine Zeit dauern, wie er sagt. Der Hotelierssohn aus Obertauern trainiert schon seit vier Jahren im dortigen Olympiastützpunkt, wo sich auch Hermann Maier seine Kraft holt. Mehr als 100.000 Schilling pro Saison hat er dort abzulegen, und jetzt ist er sich ganz sicher, dass sich das auszahlt. Er bedauere, dass Leistungsdiagnostiker Bernd Pansold, dem seine DDR-Vergangenheit und also das systematische Doping zum Verhängnis wurde, nicht mehr oben ist, "ich habe ihn menschlich sehr geschätzt". Aber Pansolds Wissen sei in Obertauern geblieben, sagt Schilchegger. Schilchegger ist im Gegensatz zu den meisten seiner Arbeitskollegen ein Zniachtl, er wiegt 76 Kilogramm bei 1,80 Meter Höhe, und weil er nur zwei Disziplinen fährt, kommt er nicht an Maiers Trainingsumfang heran. Bei ihm handelt es sich um einen ganz Ruhigen ("den ersten Sieg muss man aber schon feiern"), der in der Freizeit gern Golf spielt, "aber außer Bekannte nicht viel trifft", und ab und zu mit der Trialmaschine ums Haus gurkt. Der Sonnhof ist übrigens im Winter, der in Obertauern von November bis Mai dauert, nur mit dem Skidoo oder der Gondel zu erreichen, weshalb er, Schilchegger, ein klassischer Fall ist, mit den Skiern quasi schon in den Kindergarten fuhr. Er trainiert also schon verdammt lang. Die Techniker haben nun Pause, trainieren in Europa, ehe es in Val d'Isère weitergeht. Die schnellen Herren begaben sich gestern nach Lake Louise, Kanada. Dort gibt's zwar wenig Schnee, aber die Abfahrt (Samstag) sollte auf verkürzter Strecke stattfinden, am Sonntag folgt der erste Super-G. (Benno Zelsacher) (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.10. 2000)