Zagreb - Die EU will den Ländern des westlichen Balkans den Weg nach Europa weisen. "In der EU betrachten wir alle Länder der Region als potenzielle Kandidaten für eine EU-Mitgliedschaft. Wir wollen ihnen helfen, den Weg nach Europa zu gehen." Das erklärte EU-Kommissionspräsident Romano Prodi am Freitag in Zagreb anlässlich des eintägigen EU-Balkan-Gipfels. Die Staats- und Regierungschefs der EU kommen in der kroatischen Hauptstadt erstmals mit den Ländern des westlichen Balkans zu einer solchen Konferenz zusammen. Prodi betonte in einer Erklärung, die Länder der Region müssten sich ihrerseits für eine europäische Perspektive anstrengen. Nötig seien regionale Zusammenarbeit, Freihandel sowie die Achtung von Minderheitenrechten und des Anspruchs von Flüchtlingen auf Heimkehr. "Keiner ist dafür, das frühere Jugoslawien wieder neu zu erschaffen", betonte der frühere italienische Ministerpräsident. Am Konferenztisch in Zagreb sitzen Kroatien, Jugoslawien, Bosnien-Herzegowina, Albanien, Mazedonien und Slowenien. Der französische Präsident und EU-Ratsvorsitzende Jacques Chirac sagte zum Auftakt des Treffens, die Demokratisierung in Kroatien und Jugoslawien habe den Weg für eine Annäherung der Länder an die EU eröffnet. Der Gipfel von Zagreb unterstreiche die Entschlossenheit der EU, ihren Kampf für den Frieden, die Demokratien und die Versöhnung auf dem europäischen Kontinent fortzusetzen. Die EU sei zu einer Annäherung an die fünf aus dem ehemaligen Jugoslawien hervorgegangenen Länder bereit. Diese müssten aber im Gegenzug ihre Zusammenarbeit und Demokratisierung ausbauen, die Rückkehr von Flüchtlingen ermöglichen und mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal zusammenarbeiten. Auch der Präsident Montenegros, Milo Djukanovic, wurde in Zagreb erwartet. Seine Teilnahme war zeitweise in Frage gestellt, da Montenegro ein Teil der bundesrepublik Jugoslawien ist, Djukanovic aber den Status eines Staatschefs für sich beanspruchte. Ein Vertreter der Kosovo-Albaner, die nach Unabhängigkeit streben, wurde nicht nach Zagreb eingeladen. Die Region wurde aber durch UNO-Verwalter Bernard Kouchner vertreten. Kouchner sagte, der Frieden im Kosovo sei immer noch sehr zerbrechlich, der Konflikt zwischen Serben und Albanern noch nicht beigelegt. Deshalb dürfe das internationale Engagement für den Kosovo nicht nachlassen. Kouchner warnte zugleich, dass eine Ausdehung der für Dezember geplanten serbischen Parlamentswahlen auf das Kosovo zu neuer Gewalt führen könnte. Ohne einen stabilen Balkan werde es aber keine Stabilität in Europa geben. Die EU bietet den Ländern der Region neben der Beitrittsperspektive auch Hilfen in einer Höhe von insgesamt 4,65 Milliarden Euro bis 2006 an. Überdies will sie Handelshemmnisse beseitigen. Mit Slowenien verhandelt die Union bereits über einen Beitritt. Für Serbien hatte die EU zudem ein Soforthilfepaket in einer Höhe von rund 200 Millionen Euro geschnürt. EU-Außenkommissar Chris Patten hatte erklärt, die EU sei zu einer Aufstockung dieser Hilfen bereit, wenn sie nicht ausreichen sollten. (APA/dpa/Reuters)