Wien - Hauptthema der Nationalratsdebatte Freitag Vormittag sollte eigentlich das Künstler- Sozialversicherungsfonds- Gesetz sein. Je länger die Diskussion jedoch andauerte, umso mehr drängte sich ein anderer Aspekt in den Vordergrund, nämlich die für Sonntag angesetzte Volksbefragung über das Linzer Musiktheater. Differenzen zwischen den Koalitionsparteien traten zutage, die Opposition legte ihren Teil dazu. Begonnen hat es damit, dass Abgeordnete der ÖVP wie Gertrude Brinek oder Jakob Auer dem Projekt ihre Unterstützung aussprachen. Dies wiederum erboste die Freiheitlichen, die als einzige Partei in Oberösterreich gegen das Musiktheater werben. Der Abgeordnete Alois Pumberger (F) zeigte sich über die ÖVP besonders empört. Er warf den Parlamentariern der Volkspartei gar vor, sich als "Handlanger des oberösterreichischen Landeshauptmanns (Josef Pühringer (V), Anm.) missbrauchen zu lassen". "Verschonen sie die deutsche Sprache" Die SPÖ brachte in der Folge einen Entschließungsantrag ein, in dem die Bundesregierung ersucht wird, den Bau des Musiktheaters in Linz zu unterstützen. Die Folge waren hektische Debatten zwischen FPÖ und ÖVP. Das Ergebnis: Man brachte selbst einen Entschließungsantrag ein mit der Forderung, das Ergebnis der Volksbefragung anzuerkennen. Die Klubchefs von ÖVP und FPÖ, Andreas Khol und Peter Westenthaler, höhnten sodann, dass die SPÖ wieder einmal gescheitert sei, die Koalition auseinander zu dividieren. Westenthaler zum Kurs der Sozialdemokraten: Im Vergleich dazu sei ein Weltcup-Riesentorlauf gerade. Anschließend scheiterte er zunächst beim Versuch ein bekanntes Sprichwort auf die SPÖ zu münzen: "Wer anderen eine Grube fällt...". Dies wiederum lockte den Grünen Abgeordneten Peter Pilz ans Rednerpult: "Verschonen sie die deutsche Sprache", spottete er in Richtung Westenthaler, um sich gleich darauf selbst als Spruchmacher zu betätigen: "Der Westenthaler geht bekanntlich so lange zum Khol, bis er bricht." Ebenso wie der geschäftsführende SP-Klubobmann Peter Kostelka höhnte Pilz, dass sich die ÖVP offenbar nicht einmal mehr getraue, ein Bekenntnis zu einem Musiktheater aufzubringen. "www.jazummusiktheater.at" Der Musiktheater-Antrag der SPÖ wurde schließlich einer namentlichen Abstimmung unterzogen. SPÖ und Grüne stimmten dafür, FPÖ und ÖVP dagegen. Auch die oberösterreichischen Mandatare der Volkspartei wie Helmut Kukacka, Maria Fekter oder Wolfgang Großruck sagten Nein - Kukacka und Großruck taten ihre Unterstützung für das Theater aber durch Hochhalten eines Spruchbandes "www.jazummusiktheater.at" kund. Kukacka im Anschluss: "Jeder Mensch in Oberösterreich weiß, dass wir seit Wochen einen konsequenten Wahlwerbe-Feldzug für das Musiktheater führen." Es sei aber darum gegangen, ein "billiges" taktisches Manöver der SPÖ zu verhindern. Unbehagen war ihm dennoch anzumerken. Denn "bei jenen, die die parlamentarischen Sachzwänge nicht kennen", könnte ein falscher Eindruck entstehen. Der Antrag der Koalitionsparteien wurde mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ sowie eines Teilen der SPÖ angenommen. Aufrufe in Oberösterreich In einer Pressekonferenz am Freitag erklärte Landeshauptmann Josef Pühringer (V), bei der Volksbefragung gehe es "auch um den Ruf unseres Landes. Das neue Musiktheater bedeutet für Oberösterreich die Weiterentwicklung des Kulturlandes, einen städtebaulichen Akzent für Linz und positive Impulse für den Wirtschaftsstandort". In der selben Pressekonferenz sagte der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (S), es gehe beim Bau des Musiktheaters auch um "ein Klima der kulturellen Offenheit, um Investitionen für die Wirtschaft, um architektonische Qualität und auch um eine Verbesserung der Infrastruktur". SPÖ-Chef Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider betonte in einer Aussendung: "Die SPÖ Oberösterreichs hat sich von Anfang an klar und deutlich für einen neuen, vielseitig verwendbaren Veranstaltungsort, für den Neubau einer oberösterreichischen Landesbühne in der erweiterten Interpretation eines 'Hauses der Jugend' ausgesprochen". Die FPÖ betonte am Freitag neuerlich, dass sie die Kosten für die Errichtung des Musiktheater als "Verschwendung" ansehe, dazu werde ein täglicher Verlust von 700.000 S kommen, wenn das neue "Opernhaus" in Betrieb ist. Diese Mittel würden für andere Projekte, etwa den Straßenbau, dringender gebraucht, so FP-Chef Landesrat Hans Achatz. Die Grünen bekräftigten am Freitag in einer Aussendung ihre Zustimmung zum Neubau des Musiktheaters "bei gleichzeitiger, umfangreicher Kontrolle". Zugleich wende man sich "vehement gegen den Missbrauch des demokratischen Instruments einer Volksbefragung für einen 'Kulturklassenkampf' durch die FPÖ", so der Grün-Landtagsabgeordnete Gunther Trübswasser. Palette weiterer Aussendungen Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) erklärte in einer Aussendung, in Zeiten des Sparens habe er kein Verständnis "für Ausgaben, die wir uns einfach nicht leisten können. Dazu gehört ein überdimensioniertes Musiktheater". Schon sein Vorgänger, SP-Finanzminister Edlinger, habe einen Bundeszuschuss für das Musiktheater abgelehnt, "dabei bleibt es", so Grasser. Anders hingegen Kunststaatssekretär Franz Morak (V). Für ihn fügt sich das Projekts des Musiktheaters "in das Image eines technologisch und künstlerisch lebendigen Landes hervorragend ein". Das Projekt setze für den Stellenwert der Kultur in Österreich einen wertvollen Akzent, so Morak ebenfalls in einer Aussendung. Die Wissenschaftssprecherin der ÖVP, Gertrude Brinek, erklärte in einer Aussendung, sie "breche eine Lanze" für das neue Linzer Musiktheater, und sie hoffe "auf ein klares und kräftiges Ja für diesen Kulturbau in Oberösterreich". Denn mit dem neuen Musiktheater würden "die vorbildlichen Initiativen der oberösterreichischen Kulturschaffenden einen zeitgemäßen Rahmen bekommen", so Brinek. SPÖ-Kultursprecher Josef Cap warf der FPÖ im Zusammenhang mit der Musiktheater-Diskussion "populistisches Spiel" vor. Mit dem Slogan "Kleiner Mann zahlt große Oper" beabsichtige die FPÖ eine Grundstimmung gegen das Musiktheater zu schaffen, "die Bürger würden vor die Entscheidung gestellt, Donaubrücke oder Oper, obwohl es sich noch dazu um keine Oper sondern um ein Musiktheater handelt". (APA)