Wien - Bundeskanzler Schüssel hat sich in einem Interview mit der "Presse" für eine "Anhebung des Pensionsalters" ausgesprochen. Es solle erreicht werden, dass der Erwerbsprozess länger gestaltet wird. Er gab zu bedenken, dass der Anteil der über 65-Jährigen steigen werde. Bei der angestrebten Erhöhung der Kinderzahl sieht Schüssel das Hauptproblem darin, dass für Frauen der Einstieg in den Beruf enorm schwer sei und die Wirtschaft zu wenig spezielle Angebote mache. Eines der großen Projekte der Regierung sei die soziale Frage. "Die demographische Entwicklung, die Arbeitsmarktsituation, dass uns nicht die Arbeit ausgeht, sondern die Arbeiter, dass daher die Erwerbsquote erhöht werden muss, dass Studien- und Ausbildungszeiten kürzer werden, dafür lebenslanges Lernen kommen muss". Wenn die UnternehmerInnen das Thema Familie/Kinder, Vereinbarkeit Beruf/Familie nicht ernst nehmen, "dann werden sie in Hinkunft auf Knien vor den Arbeitnehmern rutschen müssen, weil sie keine haben. Der Arbeiter oder Angestellte wird Arbeitgeber sein und nicht Arbeitnehmer. Er wird seine Arbeit zur Verfügung stellen. Je früher die Wirtschaft das kapiert, umso besser wird das auch sein", so Schüssel. Kritik Der Vorschlag Schüssels wird seitens der SPÖ entschieden abgelehnt. SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures erklärte dazu, dass die Begründung von Schüssel "unsinnig" sei. Schüssel hatte angegeben, dass der Wirtschaft die Arbeitskräfte ausgehen würden, daher wolle er das Pensionsalter anheben. Bures machte klar, dass die Situation derzeit ganz anders sei: dass nämlich ältere ArbeitnehmerInnen, einmal arbeitslos geworden, sehr schwer wieder einen Job finden und ein großer Teil älterer ArbeitnehmerInnen aus der Arbeitslosigkeit in die Pension wechsle. Schüssel würde für jene Menschen die Arbeitslosigkeit ohne jeden erkennbaren Grund verlängern. (APA/red)