Wien - Die Lauda Air hat eine neue Führung: In der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung der Lauda Air wurden Samstag Abend Mag. Ferdinand Schmidt und Mag. Klaus Stöger als Lauda Air-Vorstände bestellt. Neben den beiden zählen künftig auch Captain Mag. Christian Fitz und Mag. Ronald Kräftner als Prokuristen zum engeren Führungskreis der Lauda Air Luftfahrt AG. Kräftner leitet seit 1996 die Rechtsabteilung der Lauda Air, die übrigen Manager kommen von der AUA. Lauda Air-Aufsichtsratschef Rudolf Streicher bezeichnete die beiden neuen Vorstandsdirektoren nach der Sitzung als ausgewiesene Experten aus der zweiten Managementebene. Er äußerte die Hoffnung, dass sie einen wesentlichen Beitrag zur jetzt erforderlichen "Brückenbildung" leisten könnten. Die drei Belegschaftsvertreter konnten sich offenbar nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. Es habe Gegenstimmen gegeben. Der Sonderprüfbericht durch die Wirtschaftsprüfer von KPMG, in dem "eine grobe Pflichtverletzung" des bisherigen Lauda Air-Vorstandes festgestellt wurde, sei ausführlich diskutiert worden, so Streicher. Konkret seien bilanzierungsnotwendige Verluste nicht bilanziert worden, zudem habe es eine Reihe nicht vom Aufsichtsrat genehmigter Geschäfte gegeben. Der Bericht habe aber "keine Merkmale einer persönlichen Bereicherung" festgestellt. Auch persönliche Vorwürfe - namentlich gegen Niki Lauda - hätten sich nicht bewahrheitet. Die Frage, ob Niki Lauda weiter bei der Lauda Air als Pilot fliegen darf oder nicht obliege ausschließlich dem neuen Management, betonte Streicher. "Plausibles Budget" als erste Aufgabe Zu den ersten großen Aufgaben für das neue Führungsteam zählt in nächster Zeit die Erarbeitung eines "plausiblen Budgets", weiters ist eine "längere Fortbestandsprognose" zu erstellen, so Aufsichtsratschef Rudolf Streicher nach der ao. AR-Sitzung der Lauda Air am Samstag. Auch die Frage, wie weit die beiden angesetzten Hauptversammlungen bei der Lauda Air - für 7. und 22. Dezember - unter den geänderten Rahmenbedingungen noch erforderlich sind, müsse jetzt der Vorstand klären. Ernennungen waren nur zum Teil einstimmig Bei der Bestellung der Vorstände gab es offenbar Gegenstimmen der Belegschaftsvertretung, die Ernennung der beiden Prokuristen ist laut Streicher einstimmig erfolgt. "Unsere gemeinsamen Interessen waren nicht umsetzbar", sagte der Betriebsratsobmann für das Bodenpersonal, Peter Niderl, nach der Sitzung. Er hoffe aber auf einen gemeinsamen möglichen Weg. "Die Mitarbeiter müssen zur Kenntnis nehmen, dass es sich um grobe Pflichtverletzungen handelt, die laut Aktienrecht zu Abberufungen führen", so Streicher in Richtung der bis zum Ende der Sitzung für Firmengründer Niki Lauda demonstrierenden Lauda Air-Mitarbeiter. Das neue Team werde bald das Vertrauen der Belegschaft gewinnen können, zeigte sich der AR-Chef überzeugt - obwohl es in der derzeitigen Stimmung für die Neuen sicher nicht besonders leicht sein werde. Am Nachmittag war Lauda-Air kurz führungslos Lauda Air-Finanzvorstand Peter Henning Thöle hatte zuvor bei der heutigen Aufsichtsratssitzung seinen Rücktritt erklärt. Die gegen ihn vorgebrachten Vorwürfe könne er aber nicht akzeptieren, sagte Thöle. Der Aufsichtsrat hat weiters das Ansuchen um Vertragsverlängerung von Otmar Lenz nicht angenommen, damit war die Lauda Air Samstag nachmittag kurz führungslos. Thöle sprach von einer "hasserfüllten und emotionalen" Atmosphäre. Sachliche Arbeit sei unter diesen Umständen nicht mehr möglich gewesen. Der bisherige Finanzvorstand der Lauda Air zeigte sich überzeugt, dass in Kürze ein neuer Vorstand bestellt werde. Derzeit werde der Tagesordnungspunkt Personalangelegenheiten behandelt. Offener Brief Thöles: "Kein Vertrauensverhältnis mehr" Thöle hat die Gründe für seinen Schritt in einem offenen Brief dargelegt. In dem an Aufsichtsratspräsident Rudolf Streicher gerichteten Schreiben heißt es: "Die Entwicklung der vergangenen Wochen hat dem Vorstand der Lauda Air Luftfahrt AG die Grundlagen für eine geordnete Arbeit entzogen. Ich lege meine Funktion als Mitglied des Vorstands der Lauda Air Luftfahrt AG nieder, weil das Vertrauensverhältnis zu mir durch die Gesellschaft zerstört wurde. Dies hat sich für mich dadurch gezeigt, dass der Vorsitzende des Aufsichtsrates mir den Rücktritt nahegelegt hat und die von Austrian Airlines nominierten Mitglieder des Aufsichtsrates mir mit unverhohlenem Misstrauen gegenübertreten. Insbesondere liegt dieser ungerechtfertigte Vertrauensentzug auch in dem durch die Austrian Airlines beantragten Tagesordnungspunkt für die kommende Hauptversammlung, in welchem - wenn auch völlig unbegründet - Schadensersatzansprüche gegen mich als Vorstandsmitglied geltend gemacht werden sollen. Ich betone, dass ich mich mit den Vorwürfen der erstellten Gutachten von Deloitte & Touche und KPMG nicht identifiziere. Ich betone weiters, dass beschriebene Sachverhalte unrichtig dargestellt sind und von mir anderes gesehen werden, und ich bin der Meinung, dass durch die einseitigen Darstellungen Beurteilungsgrundlagen geschaffen wurden, die nicht den Tatsachen entsprechen. Ich glaube weiteres, dass die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen nicht zwingend sind und deshalb von anderen, mir zur Verfügung gestandenen Sachverständigen anders getroffen werden, wie ich und meine Vorstandskollegen bereits mehrfach dargelegt haben. Ich erkenne aber, dass alle meine Bemühungen um Aufklärung auf taube Ohren gestoßen sind. Ich habe in der Zeit, in der ich für die Lauda Air Luftfahrt AG und für die Mitarbeiter des Unternehmens sowie für die Aktionäre und ihre Vertreter im Aufsichtsrat arbeiten durfte, stets meine ganze Kraft zum Wohle des Unternehmens eingesetzt und zu jeder Zeit mit ganzer Person und mit ganzem Einsatz daran gearbeitet, Schaden von dem Unternehmen fernzuhalten und mit meinen Vorstandskollegen Wege in eine bessere Zukunft zu ebnen. Ich verwehre mich gegen ungerechtfertigte Vorwürfe in wissenschaftlichem Gewand. Ich bedanke mich für das in der Vergangenheit entgegengebrachte Vertrauen bei den Aktionären und ihren Vertretern, bei Geschäftspartnern und bei den Mitarbeitern, die mir bei meiner Aufgabe geholfen haben. Mit freundlichen Grüßen." (APA)