Wien - Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) soll Stabilität und Sicherheit in einem Raum "von Vancouver bis Wladiwostok" sichern. Seit der Aufnahme des neuen, demokratischen Jugoslawien am 10. November gehören der Organisation 55 Mitgliedsländer an. In den vergangenen Jahren hat sich die OSZE vor allem um die Beilegung von Konflikten, die Abrüstung, die Einhaltung von Menschenrechten und die Durchführung von Wahlen in Krisenregionen - etwa in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo - bemüht. Die OSZE geht auf die Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) von Helsinki von 1. August 1975 zurück. Im Schatten des "Kalten Krieges" verpflichteten sich damals die Unterzeichnerstaaten, "im Interesse der Völker ihre Beziehungen zu verbessern und zu verstärken, in Europa zum Frieden, zur Sicherheit, zur Gerechtigkeit und Zusammenarbeit sowie zur Annäherung zwischen ihnen und allen anderen Staaten der Welt beizutragen". Die zunächst aus 35 Staaten bestehende KSZE bildete bis 1990 das einzige ständige Gesprächsforum zwischen den Gegnern im Kalten Krieg. In den kommunistischen Ländern Osteuropas hatten die Dissidenten mit der Schlussakte von Helsinki ein Instrument erhalten, um bei den Regierungen auf die Einhaltung der Menschenrechte zu dringen: Zahlreiche "Helsinki-Komitees" wurden gegründet, die letztlich auch zum Niedergang der autoritären Systeme des Ostblocks beitrugen. Nach dem Sturz des Kommunismus im Osten boten sich der KSZE neue Aufgaben, vor allem im Zusammenhang mit der Gestaltung demokratischer Strukturen und der Abhaltung freier Wahlen. Beim Gipfeltreffen im Dezember 1994 in Budapest wurde die Umbenennung in OSZE beschlossen, um den Charakter als Sicherheitsforum zu unterstreichen. Beim Gipfel in Istanbul im November 1999 wurde der Schwerpunkt ziviles Krisenmanagement der OSZE hervorgehoben. Die auf diesem Gipfel verabschiedete Europäische Sicherheitscharta peilt die "Schaffung eines gemeinsamen und unteilbaren Sicherheitsraumes" in den Mitgliedsstaaten der OSZE an. Heute verfügt die OSZE über ein Netzwerk von Missionen und Feldaktivitäten in ungefähr 20 Mitgliedsstaaten. Sie ist in den Bereichen Konfliktprävention und -management sowie Post-Konflikt-Betreuung aktiv. Im Jahr 2000 hat Österreich den Vorsitz der OSZE inne, wobei die Schwerpunkte der Tätigkeit der Organisation derzeit die Konfliktregionen des Balkan, im Kaukasus und in Zentralasien bilden. Einen Höhepunkt der österreichischen OSZE-Präsidentschaft stellt das OSZE-Außenministertreffen am kommenden Montag und Dienstag in Wien dar, an dem der neue jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica und US-Außenministerin Madeleine Albright teilnehmen werden. Wien wird auch nach dem Ende des österreichischen Vorsitzes wie bereits früher ein wichtiges Zentrum für die Aktivitäten der OSZE bleiben: In der Bundeshauptstadt ist der Ständige Rat der OSZE-Botschafter angesiedelt, als Beratungs- und Entscheidungsgremium für operative Aufgaben. Weiters haben das Konfliktverhütungszentrum zur Datensammlung für die Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen, das Forum für Sicherheitskooperation, die Repräsentanz für die Freiheit der Medien und das OSZE-Sekretariat ihren Sitz in Wien. Im Mai 1997 wurde der modifizierte Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) in Wien unterzeichnet, wo bereits in der Vergangenheit unter der Ägide der KSZE Abrüstungsverhandlungen zwischen Ost- und West stattgefunden hatten. (APA)