Wien - "Ich glaube nicht, dass die AUA den Kleinaktionären der Lauda Air ein Pflichtangebot zur Übernahme ihrer Lauda-Aktien machen muss", sagte der Präsident des Interessenverbandes für Kleinanleger, Wilhelm Rasinger, zum S TANDARD . Der Grund: Wenn ein Unternehmen ein anderes mehrheitlich übernimmt, um es zu sanieren, muss laut Paragraph 25/4 des Übernahmegesetzes kein Pflichtangebot gelegt werden.

Rasinger rechnet aber damit, dass die AUA den Lauda-Air-Kleinaktionären (14 Prozent) ein freiwilliges Angebot zum Erwerb ihrer Aktien legen wird. Wie hoch das sein wird, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die AUA mit ihrer Feststellungsklage durchkommt. Die AUA will damit erreichen, dass sie der Lauda Privatstiftung für ihren 30-prozentigen Anteil an Lauda Air nicht mehr den vereinbarten Preis von 230 Mio. S zahlen muss, sondern nur mehr rund 102 Mio. S.

Wie berichtet, wird die AUA, die derzeit 35,9 Prozent an der Lauda hält, zunächst 11,1 Prozent aus dem Besitz der Lufthansa erwerben. Damit ist sie ihrem Wunsch, die Mehrheit an der Lauda Air zu bekommen, ein großes Stück näher gekommen, zumal die AUA dem Vernehmen nach über ihre Leasing-Tochter ALF weniger als drei Prozent an der Lauda Air hält.

Sollte Niki Lauda innerhalb der nächsten zwei Monate nicht von seinem Aufkaufsrecht für die restlichen 8,9 Prozent Lauda-Aktien im Besitz der Lufthansa Gebrauch machen, würden auch diese von der AUA übernommen werden. Damit wäre ihr die Mehrheit an der Lauda Air sicher. (cr, Der Standard, Printausgabe, 28.11.2000)