Wien/Amsterdam - Das Philips-Bildröhrenwerk im steirischen Lebring bekommt einen neuen Eigentümer. Der Standort mit derzeit rund 800 Beschäftigten wird in ein Joint Venture des holländischen Elektronikkonzerns mit der südkoreanischen Gruppe LG Electronics eingebracht, in dem beide Unternehmen ihre Bildröhren-Produktion bündeln.

Das zu je 50 Prozent von den beiden Konzernen getragene Gemeinschaftsunternehmen soll laut einer am Montag veröffentlichten Vereinbarung im Lauf des ersten Halbjahres 2001 realisiert werden, nachdem Philips an LG wegen des unterschiedlichen Werts der in das Joint Venture eingebrachten Einheiten 1,1 Mrd. Dollar (17,6 Mrd. S/1,3 Mrd. EURO) überwiesen hat. Das neue Unternehmen mit Sitz in Hongkong werde mit 36.000 Beschäftigten einen Umsatz von rund sechs Mrd. Dollar erwirtschaften und damit zum weltgrößten Bildröhrenhersteller avancieren. Vorstandsvorsitzender soll Philippe Combes werden, der jetzige Leiter von Philips Display Components.

Eine Gefährdung der Arbeitsplätze in Lebring durch den Deal sieht man in der Philips-Österreich-Zentrale nicht. "Im Gegenteil: Der Standort wird besser abgesichert, weil das Bildröhren-Joint-Venture ja mit dem Anspruch der Weltmarktführerschaft auftritt", sagte eine Konzernsprecherin dem STANDARD. Eine lohnkostenbedingte Verlagerung der Produktion innerhalb des neuen Unternehmens sei auch deshalb nicht angedacht, weil es gerade um eine geographische Ergänzung im Absatzbereich gehe: LG sei für den asiatischen Raum bestens positioniert, Philips für den europäischen und nordamerikanischen.

Geförderte Umrüstung

Philips hat in Lebring erst im November zwei neue Produktionslinien für Computerbildröhren in Betrieb genommen, womit der Standort komplett von TV auf Computerbildröhren umgerüstet wurde. Erst damit war der Standort auch langfristig abgesichert. Mitte des vergangenen Jahres war in Lebring auf-grund weltweiter Überkapazitäten die Produktion von Farbbildröhren für Fernsehgeräte eingestellt worden, wodurch vorübergehend auch ein Personalabbau um 400 Stellen durchgezogen wurde.

Für die Umrüstung des Werks versprach das Land Steiermark Förderungen von 67 Mio. S, von denen bisher 40 Mio. S geflossen sind. Im Büro des zuständigen Landesrats Herbert Paierl will man die neue gesellschaftsrechtliche Konstellation prüfen, erwartet aber keine Auswirkungen auf den Standort und den Förderfall: "Wir sehen die Arbeitsplätze nicht gefährdet." (jost, Der Standard, Printausgabe, 21.11.2000)