Experten des Innenministeriums schlagen jetzt Alarm: Die "Selbstmord-Newsgroups" im Internet boomen derzeit in einem bisher nicht gekannten Ausmaß. Immer öfter nehmen sich "User" nach solchen Net-Kontakten das Leben. In Österreich gab es heuer bereits drei Selbstmorde, denen erwiesener Maßen intensives "Chatten" mit "Gleichgesinnten" voraus ging, es wird aber eine hohe Dunkelziffer befürchtet. "Chatten in Selbstmordgruppen ist wie ein Abschiedsbrief, es ist ein letzter Hilfeschrei von Verzweifelten", so schilderte Bernhard Otupal, Internet-Experte des Innenministeriums, die Situation am Montagabend bei einer Diskussionsveranstaltung des Kuratoriums Sicheres Österreich in Linz. Selbstmord Gefährdete gehen immer öfter im Internet auf die Suche nach einschlägigen Gruppen. Diese Kontakte werden dann über Wochen oder Monate aufrecht erhalten und meist intensiviert. Druck "Es kommt zu einem regelrechten sozialen Druck durch diese Gruppen auf den Einzelnen", so Otupal. Dies führe, wie konkrete Fälle zeigen, zu einer ebenso dramatischen wie paradoxen Entwicklung: "Die Selbstmordgruppe droht dem Einzelnen, dieser werde ausgeschlossen, wenn er sich nicht umbringt, und tatsächlich wird dieser drohende Verlust des letzten 'sozialen' Kontakts zum Auslöser für den Suizid", berichtete Otupal. Rechtlich und von der Exekutive her könne man hingegen wenig machen, selbst wenn die Teilnehmer solcher Net-Groups ausgeforscht werden können, ist ihnen kaum eine "Mitwirkung am Selbstmord" im Sinn des Strafgesetzbuchs nachzuweisen. (APA)