Wien - Im Wettkampf der Bühnenhenker liegt William Shakespeare trotz massiver neuzeitlicher Konkurrenz unangefochten in Führung. Seine Königsdramen: blutige Massaker. Richard III.: der Oberbösewicht. So brutal, dass neuzeitliche Geister ihn schon wieder komisch finden. Mindestens so komisch wie Quentin Tarantinos Kultfilm Pulp Fiction . Weswegen der deutsche Dramatiker John von Düffel in seiner Trashkomödie Shakespeare, Mörder, Pulp & Fiction den Elisabethaner kurzerhand mit Tarantinos Killerduo Vega und Winfield kurzschließt. In der Bar&Co des Theaters Drachengasse steht ein Mörderduo, das einen Mordauftrag Richards III. zu erfüllen hat. Zwei Killer, die gerne John Travolta und Samuel L. Jackson wären und dabei doch nur (ziemlich witzige) parodistische Abziehbilder sind. Aufgesetzt cool und gnadenlos ungeschickt stolpern sie über ihre eigenen Pointen. Kein Klischee ist Regisseur Günter Treptow dabei zu billig, kein Kalauer fehl am Platz. Zum Film-Soundtrack hetzen Martin Beck und Georg Staudacher mit erstaunlicher Präsenz durch den Abend - leider allzu oft im Rücken der Zuschauer. Das ist ungesund für die Nackenwirbel! In Bauch und Nacken Aber keine Sorge! Auch für Rekonvaleszenz hat das Theater vorgebaut. Schon zu Zeiten Herzmanovsky-Orlandos, ebenfalls mit einer Shakespeare-Anleihe. Die feinsten Kreise Böhmens und Mährens hat der Dichter 1937 in seiner verzweifelt betitelten Gesellschaftskomödie Prinz Hamlet der Osterhase oder "Selawie" oder Baby Wallenstein in den Wladislawsaal auf Schloss Humpoletz gesteckt, zur Konversation, zum Kunstgenuss, zur Eheschließung plus Vermögenssicherung. "Theater zum Fürchten"-Macher Bruno Max hat dies in seiner Bearbeitung Selawie! genommen, wie ein seriöser, aber erheiterter Gesellschaftsreporter es vor Ort erspähen hätte können. Beispiel: In seiner barocken Fantasie beschlägt sich das Terrassenfenster mit dem heißen Schicksalsdunst des Herrenzimmers. Und wenn Bernie Feit den Reinhardt-Seminaristen Lallmeier spielt, krümmen wir uns: Bauchmuskeln strapaziert, Nackenwirbel geschont. (hil/afze/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 11. 2000)