Die größten Vermögensvernichter auf der Welt sind weder Erdbeben noch Zyklone, sondern Banken. Durch fahrlässige, gar kriminelle Kreditvergabe werden sinnlose Großprojekte finanziert, konkursreife Firmen am Leben erhalten und die Taschen von Betrügern gefüllt. Am Ende steht eine Bank oder gar ein Bankensystem vor dem Kollaps und muss vom Steuerzahler gerettet werden, um Schlimmeres zu verhindern. So haben in den USA in den Achtzigerjahren Sparkassen (Savings & Loans), die nach einer missglückten Deregulierung finanziell Amok liefen, Hunderte Milliarden Dollar in den Sand gesetzt. Zehn Jahre später häufte der französische Crédit Lyonnais Verluste von 200 Milliarden Schilling an und wurde vom Staat gerettet. Auch bei der Asienkrise waren vor allem die maroden und korrupten Banken in Thailand, Indonesien und Südkorea für den finanziellen Kollaps der ganzen Region verantwortlich. Und im Burgenland hat eine einzige Bank ein halbes Jahresbudget des Landes durch Wahnsinnskredite an einen windigen Unternehmer verspielt. Auffallend an diesen Bankenaffären ist, wie wenig sie die Menschen aufregen. Der S&L-Skandal hat in den USA keine politischen Konsequenzen gehabt, und auch im Burgenland dürften sich die Wähler am Sonntag kaum von der Frage beeinflussen lassen, wer eigentlich für den Verlust von rund vier Milliarden Schilling - oder rund 15.000 Schilling pro Kopf der burgenländischen Bevölkerung - verantwortlich ist. Dieses öffentliche Desinteresse ist kein Zufall. Bankgeschäfte sind für den Laien schwer durchschaubar, und bei Bankskandalen ist selten ein eindeutig Schuldiger auszumachen. Schließlich ist es unvermeidlich, dass Banken gewisse Risken bei der Kreditvergabe eingehen und dabei auch Ausfälle in Kauf nehmen. Wenn sich solche Ausfälle häufen, dann war es halt eine Verkettung unglücklicher und unvorhersehbarer Umstände. Bei der Bank Burgenland heißt es dann, man sei "Opfer krimineller Machenschaften" geworden. Doch Bankkrisen entstehen nicht zufällig, sie sind die Folge schwerer Systemfehler. Anders als gewöhnliche Konkurse schadet ein Bankenkollaps nicht nur Eigentümern, Mitarbeitern und Gläubigern, er gefährdet das ganze Finanzsystem. Deshalb gibt es eine Einlagensicherung, die kleine Sparer vor Verlusten schützt, lässt der Staat große Banken nie untergehen. Die Folge ist, was Ökonomen "Moral Hazard" nennen: Wer vor den Folgen der eigenen Fehleinschätzung geschützt wird, geht größere Risken ein. Geht das Geschäft gut aus, steht der Bankdirektor blendend da, läuft es schief, ist er höchstens seinen Job los. Das erklärt auch, warum Banken zwar den kleinen Mann beim Kreditantrag auf Herz und Nieren prüfen, aber die internen Regeln häufig ignorieren, wenn ein wirklich lukratives Großgeschäft winkt. "Moral Hazard" lässt sich im Kreditwesen nur durch eine effiziente Bankenaufsicht und starke Eigentümer, die auf den Wert ihres Unternehmens achten, verhindern. Aber nicht erst die Bank Burgenland hat gezeigt, wie sehr es in Österreich an beidem fehlt. Die Bankenaufsicht ist zwischen Nationalbank und Finanzministerium aufgeteilt, die einander bei Versagen die Schuld zuschieben können. Schlimmer noch sind die öffentlichen Beteiligungen und Haftungen in vielen Banken. Im politisch besetzten Aufsichtsrat der Bank Burgenland schaute niemand Generaldirektor Ernst Gassner über die Schulter, als er Alexander Thom Milliarden nachwarf. Auch Haider-Freund Wolfgang Kulterer, Chef der Hypo Alpe Adria, darf in Kroatien Geschäfte machen, die sich andere ausländische Banken nicht trauen. Hinter ihm steht Kärnten, das - wie einst das Burgenland - stolz auf "seine" Bank sein will. Selbst wenn das Burgenland beweist, dass ein Bankfiasko dieser Größe den Wähler ungerührt lässt, darf die Reform der Kreditaufsicht und die Privatisierung der Landesbanken nicht auf die lange Bank geschoben werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.12.2000)