Eisenstadt - Meteorologisch ist der burgenländische Herbst ungewöhnlich warm gewesen. Politisch allerdings ist er, entgegen den Erwartungen, nie wirklich heiß geworden. Die Wahlkämpfer aller Parteien werden - das zumindest lässt sich prophezeien - einander auch am vierten Dezember die Hand geben. Landeshauptmann Karl Stix (SP) absolviert gerade seine Abschiedstour, und ob er und sein langjähriger VP-Vize, Gerhard Jellasitz, noch miteinander gekonnt hätten, das zumindest wäre fragwürdig gewesen. Selbst die FPÖ - bundespolitisch durchgebeutelt - war bemerkenswert zahm, sieht man von ein paar Wortspenden des Jörg Haider ab. Die Osterweiterung war das zentrale Thema des Stefan Salzl; und es wäre nicht die FPÖ, würde sie zu diesem Thema nicht gerade Verteidigungsminister Herbert Scheibner ins Land geholt haben. Der nutzte am Donnerstag die Gelegenheit, dem Lieblingsfeind der Bundesblauen, Innenminister Ernst Strasser, eins drüberzuziehen. Erstens der Spitzelaffäre wegen, die sich nun als das herausstelle, "was wir immer gesagt haben: als Versuch, die Freiheitlichen zu kriminalisieren und zu diffamieren". Das sei "eine ganz ähnliche Parallele" zu den Briefbomben-Ermittlungen. Zweitens aber, und das war einigermaßen neu, kritisierte Herbert Scheibner Innenminister Ernst Strasser wegen dessen Raffgier zulasten des Bundesheeres. Das Bundesheer leiste den Assistenzeinsatz an der Grenze, ohne dass ihm dafür im Budget etwas "zugemittelt worden ist". Die Grenzgendarmerie werde dagegen mit Radar und modernen Infrarot-Geräten ausgerüstet. In Niederösterreich sogar flächendeckend, weshalb er daran denke, den Assistenzeinsatz in Niederösterreich auslaufen zu lassen. "Denn es kann nicht sein, dass der Innenminister, nur weil er aus Niederösterreich kommt, den Grenzschutz dort fördert und das Burgenland sträflich vernachlässigt." Während also der Bundesminister solcherart den Streit zwischen den Bundesländern nach Eisenstadt trägt, will er den Ball, den Stefan Salzl ihm in den koalitionären Strafraum gespielt hat, nicht annehmen. Das österreichische Veto bei einem zu frühen Osterweiterungstermin, von Salzl für den Fall des Falles angekündigt, sei ja bloß "ein semantisches Problem". Wenn Österreich etwa die Verhandlungen über das Energiekapitel mit Tschechien blockiere, was sei daran dann ein Veto? "Dann blockieren wir. Es muss klar sein, dass die Beitrittsländer nur dann aufgenommen werden können, wenn sie alle Kriterien erfüllen." Stefan Salzl nickt: So sei es. Klare Worte findet Herbert Scheibner für das ferne Salzburg. Karl Schnells "Lumpi" sei "absolut unqualifiziert". Die Salzburger Landesgruppe müsse sich da was überlegen. Jene, die sich jetzt aber wieder so empören, auch. "Denn man soll nicht vergessen, mit welchen Namen aus dem Tierreich Freiheitliche schon belegt wurden: Faschisten, Nationalsozialisten, blaue Schweine." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.12.2000)