Paris - Der Euro hat nach Worten von EZB-Präsident Wim Duisenberg Spielraum für eine Erholung. "Wir können eine Korrektur erwarten... Wann das passiert und bis zu welchem Punkt? Irgendwann in der Zukunft und bis zu einem bestimmten Niveau", sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) dem französischen Magazin "Le Point". Duisenberg äußerte zudem Kritik an der Haushaltspolitik der Staaten der Euro-Zone und wies die Ansicht zurück, die EZB blicke in letzter Zeit stärker auf die Kerninflationsrate als auf die Gesamtrate. Duisenberg führt den Kursrückgang des Euro in dem Interview auf drei Faktoren zurück. Die nationalen Währungen seien zum Start der Währungsunion auf einem vergleichsweise hohen Niveau gewesen, sodass eine "gewisse Korrektur" zu erwarten gewesen sei. Das stärkere Wirtschaftswachstum in den USA beflügele den Dollar und schließlich hätten die Finanzmärkte mit der Abwertung des Euro übertrieben. Der EZB-Präsident nannte zudem drei Gründe, weshalb die Kursentwicklung "Besorgnis erregend" sei. Der schwache Euro erhöhe die Inflation, erschüttere das Vertrauen der Bevölkerung in die Währung und verursache Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft. "Keine Haltung zur Kerninflationsrate" Zur geldpolitischen Strategie der EZB widersprach Duisenberg erneut der Ansicht von Volkswirten, dass die Notenbank inzwischen der Kerninflationsrate mehr Aufmerksamkeit schenke. Bei dieser Rate werden die leicht schwankenden Energie- und Nahrungsmittelpreise nicht berücksichtigt. "Das ist vollkommen falsch und ich weise entschieden zurück, dass wird dazu irgendeine andere Haltung einnehmen", sagte Duisenberg. Der EZB-Präsident zeigte sich enttäuscht über die Haushaltspolitik der Mitgliedsländer der Euro-Zone. "Die sehr vorteilhaften wirtschaftlichen Bedingungen derzeit in Europa müssen besser als bisher genutzt werden, um die Ziele (ausgeglichener Staatshaushalte) schneller zu erreichen". (Reuters)