Minsk/Kiew - Zwei Wochen vor der endgültigen Abschaltung des Atomkraftwerks Tschernobyl hat die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) der energiearmen Ukraine Hilfe zugesagt. "Russland ist zu weiteren Stromlieferungen bereit", sagte der russische Präsident Wladimir Putin am Freitag beim GUS-Gipfeltreffen in der weißrussischen Hauptstadt Minsk. In Tschernobyl wurde ungeachtet des Stilllegungstermins am 15. Dezember der letzte noch aktive Reaktor am Freitag nach einer Panne wieder hochgefahren. Der ukrainische Präsident Leonid Kutschma forderte in Minsk den Westen zu Ersatzleistungen für die Tschernobyl-Schließung auf. "Es ist ungerecht, wenn nur die ebenfalls von der Tschernobyl-Katastrophe betroffenen Länder Russland und Weißrussland der Ukraine helfen", sagte Kutschma nach Angaben der Nachrichtenagentur Itar-Tass. Auch Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko sicherte der benachbarten Ukraine Hilfe zu. Kiew erwartet als Ersatz für Tschernobyl einen westlichen Milliardenkredit zum Fertigbau zweier Atomkraftwerke sowjetischer Bauart in der Ukraine. Eine Explosion im vierten Tschernobyl-Reaktorblock hatte vor fast 15 Jahren die schlimmste Katastrophe in der Geschichte der friedlichen Kernkraftnutzung ausgelöst. (APA)