Göttingen - Mit der BSE-Angst ist die Sorge vor der unheilbaren Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) verbunden: Was mit Gedächtnislücken, Leseproblemen oder Orientierungsverlust beginnt, führt innerhalb weniger Monate zum Tod. Experten des deutschen Referenzzentrums für Prion-Erkrankungen in Göttingen sind auf der Spur des rätselhaften Gehirnleidens. Die neue Variante der Krankheit trifft vorwiegend junge Leute Im Unterschied zur sporadischen CJD, die vorwiegend alte Menschen betrifft, wird die neue Form bei durchschnittlich 29 Jahre alten Opfern diagnostiziert. Die Variante zeigt dabei einen längeren Krankheitsverlauf und führt zu anderen Veränderungen im Gehirn. "Ob auch bei uns irgendwann die neue Form auftritt, kann man nicht vorhersagen. Aber auf keinen Fall in den Dimensionen wie in Großbritannien", meint Schulz-Schaeffer. Dort hätten hunderttausende BSE-kranke Rinder die Nahrungskette nachhaltig verseucht. Über die Inkubationszeit besteht noch Ungewissheit Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit entsteht durch entartete körpereigene Eiweißverbindungen im Gehirn, die Prionen. Diese verändern aus ungeklärter Ursache ihre räumliche Form, lagern sich im Hirn ab und zwingen auch gesunden Prionen ihre verklumpte Form auf. Der Körper kann die mutierten Eiweiße nicht mehr abbauen, in der Folge werden die Nervenzellen im Gehirn zerstört. Auch über die Inkubationszeit des Leidens - der Zeitraum zwischen Ansteckung und Erkrankung - herrscht Ungewissheit. Neue Variante der Krankheit hat in Großbritannien schon 80 Menschen das Leben gekostet "Von der neuen Variante der Krankheit haben wir noch keinen einzigen Fall in Deutschland festgestellt", sagt der Neuropathologe Walter Schulz-Schaeffer. Diese neue Form (engl.: "vCJD" oder "Human BSE") wird durch Erreger der Rinderseuche BSE ("Bovine Spongiforme Enzephalopathie") ausgelöst und hat in Großbritannien schon mehr als 80 Menschen das Leben gekostet. Dagegen wurden von 1993 bis Ende Oktober dieses Jahres von den Experten in Deutschland 1.156 Fälle ermittelt, bei denen ein Verdacht auf die klassische, "sporadische" CJD-Form vorlag. "Bei 387 Patienten ist sicher, dass sie an sporadischer CJD gestorben sind. Bei weiteren 310 ist es wahrscheinlich", berichtet Schulz-Schaeffer. Jährlich würden in der Bundesrepublik pro eine Million Einwohner zwischen ein und zwei CJD-Todesfälle registriert - also etwa 120. Im europäischen Ausland würden vergleichbare Werte erreicht. Hoffnung auf eine Heilung des tückischen Leidens liegt in weiter Ferne. Den Betroffenen können die Mediziner im Todeskampf nur beistehen und begleitende Muskelkrämpfe spürbar lindern. (dpa)