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14 Jahre FPÖ im Word-Rap. Und jetzt wieder der "Lump". Laut Salzburgs FP-Chef Karl Schnell ein noch "zu harmloser Ausdruck" für Bundespräsident Thomas Klestil. "Das ist nicht unser Stil", zitiert eine Zeitung Exparteiobmann Haider zum jüngsten Tiefgriff. Ah, nicht?

Schwarze Schlittenhunde. Wer sich mit den Hunden ins Bett legt, darf sich nicht wundern, wenn er mit Flöhen aufwacht. Ställe ausmisten. Hündchen. Er pinkelt uns an. Schweine. Sein Gekläffe. Parasiten. Filzläuse. Lemminge.

Gerade die Tierecke ist doch einer der Hits im Propaganda-Programm. Nicht zufällig übrigens, wie Walter Ötsch in seiner brillanten Demagogie-Analyse "Haider light" (Czernin Verlag) darlegt: Wer vom anvisierten Gegner animalische Gedankenbilder zeichnet, verankert ihn zuverlässig als "Bösen" im Publikumshirn.

Schimpf ihn!

Was also hat Schnell falsch gemacht, dass es nun gar aus der eigenen Partei Kritik hagelt? In der Wortwahl nichts. Da ist er den Mustern treu geblieben. Der Salzburger hat sich nur dummerweise ein Opfer ausgesucht, das zuvor noch nicht ausreichend eingetunkt war.

Das war strategisch falsch. Daher wird der Skandalträger, derzeit Karl Schnell, verstoßen. Vorerst aber nur symbolisch.

Vielleicht kann man den Schwerpunkt der Chose ja umgewichten. Die erfrechte Aufmerksamkeit umlenken. Auf jene Aussagen, die es ohne den Eklat nicht einmal zum Nebensatz gebracht hätten. Das Opfer an den Pranger drängen. Im Nachhinein doch irgendwie Recht behalten in der Sache. Und den "Lump" als Ausrutscher verbuchen.

Manipulation durch Kommunikation. Nach außen hin Hoppala, tatsächlich ist die inszenierte Entgleisung, "stets wohl kalkuliert" (Gerfried Sperl, "Der Machtwechsel", Verlag Molden).

Beiß ihn!

Egal, welche der kritischen Analysen man zitiert: Es ist bedrückend, wie genau sie die Mechanismen der FP-Untergriffe nachkonstruieren und - siehe Ötsch - sogar vorausberechnen. Noch bedrückender ist nur, wie wenig das weite Teile der österreichischen Öffentlichkeit kümmert.

Zu den Fleißigen, Anständigen und Tüchtigen, die guten Gewissens kudern und klatschen dürfen, gehören eben viele gern. So gern, dass sie übersehen, wie beliebig diese Schablone verschoben wird: Gestern noch ein korrekter Beamter, heute ein parasitäres Element in der Lehrerschaft.

Wer legt die Hand dafür ins Feuer, dass die Menschen verachtenden Parolen von morgen nicht gegen Alkoholismus (rund 800.000 Betroffene) oder Übergewichtigkeit (1,7 Millionen Österreicher/innen) gedroschen werden? Lacht sich die Bierzelt-Claque dann selber aus?

Mach ihn zum Tier!

Doch man soll die FPÖ nicht dämonisieren. Es gibt ja auch den gemäßigten Flügel der staatstragenden Realos. Finanzminister Grasser zum Beispiel. Für ihn sind die AUA-Vorstände lediglich "Laienschauspieler", was im Vergleich schon unter noble Zurückhaltung fällt.

Außerdem schaut die Opposition auf den korrekten Ton. (Grüne-Chef Alexander Van der Bellen: "Die FPÖ ist und bleibt eine Radaupartie", SPÖ-Finanzsprecher Rudolf Edlinger: "Blaue Schweine").

Und wenn alles nix hilft, muss halt wieder mal die ÖVP zu Sittlichkeit und Ordnung rufen. Obwohl Klubchef Andreas Khol - zumindest zur Kronen Zeitung - über den "siebenten Zwerg" Karl Schnell vorerst noch schweigen möchte.

Elisabeth Pechmann ist Chefredakteurin des Magazins "Alles Auto" und lebt in Wien.