Belgrad - Der Ermittlungsrichter des Belgrader Kreisgerichtes, Nebojsa Simeunovic, ist am Sonntag tot aufgefunden worden. Simeunovic, der Anfang Oktober einen Antrag der Staatsanwaltschaft zur Festnahme der oppositionellen Spitzenfunktionäre Nebojsa Covic und Boris Tadic sowie von Führern der streikenden Minenarbeiter im Kohlebergwerk Kolubara bei Belgrad abgelehnt hatte, war am 7. November spurlos verschwunden. Der serbische Innenminister Stevan Nikcevic erklärte für den Belgrader Sender B-92, dass erste Ermittlungsergebnisse nicht auf einen gewaltsamen Tod hindeuteten. Der Leichnam von Simeunovic war Sonntag Nachmittag am Neubelgrader Donauufer von Passanten entdeckt worden. Ein Rechtsanwalt der Verwandten von Simeunovic kritisierte die Äußerung des Innenministers. Ljubomir Trifunovic meint, dass dadurch die Autopsieergebnisse präjudiziert würden. Im Bekanntenkreis des Richters war zu hören, dass er im Oktober mehrere anonyme Drohanrufe bekommen habe. Simeunovic hatte in den letzten Jahren mehrere spektakuläre Mordfälle untersucht, darunter die Ermordung des serbischen Vize-Innenministers Radovan Stojcic Badza im April 1997 und des jugoslawischen Verteidigungsministers Pavle Bulatovic im Februar dieses Jahres. Als Ermittlungsrichter befasste er sich vor fünf Jahren auch mit dem Absturz eines russischen Transportflugzeuges unweit des Belgrader Flughafens Surcin. Die Maschine hatte jugoslawische Militärausrüstung nach Libyen befördert. In keinem der drei Fälle waren die Ermittlungsergebnisse publik geworden. (APA)