München - Das Burgenland habe Österreich einen "ordentlichen Stoß" versetzt, kommentiert die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag das Ergebnis der Landtagswahl. "Seit der Bildung der ÖVP-FPÖ-Koalition in Wien war dies die erste Wahl überhaupt, in der beide Parteien ihr Rechtsbündnis ausdrücklich auch für den Landtag in Eisenstadt empfahlen. Das Wahlergebnis kommt einer veritablen Abfuhr gleich: Beide Parteien haben verloren, eine schwarz-blaue Koalition ist unmöglich." "Besonders schmerzhaft ist der Nasenstüber für die Freiheitlichen, die im Burgenland noch auf einen Aufholeffekt gehofft hatten. Sie gefielen sich als Total-Opposition gegen einen sozialdemokratischen Landeshauptmann und Reste der traditionellen SPÖ-ÖVP-Allianz. Und sie versuchten, bei den Grenzanliegern zu Ungarn Ängste vor der EU-Erweiterung zu schüren - allesamt bewährte, brisante Zutaten zur österreichischen Neidgenossenschaft, von der die FPÖ bislang so gut lebte." "Doch gerade die Burgenländer, die sich vom Rest des Landes oft verächtlich machen lassen müssen, wurden nicht hysterisch. Alle Klischees konnten die Wahl nicht wirklich beeinflussen. Wie sehr das FPÖ-Maulheldentum an Wirkung eingebüßt hat, wird besonders beim Thema EU-Erweiterung deutlich: Die Leute erinnern sich noch gut an die Schattenexistenz an der Grenze. Inzwischen hat die Europäische Union der Randregion tatsächlich geholfen, und die Öffnung nach Osteuropa nahm den wirtschaftlichen und psychologischen Druck. Die Schreckbilder der Untergangs-Apostel erwiesen sich angesichts der Erfahrungen der Grenzlandbewohner als falsch. Die Quittung hätte angemessener nicht ausfallen können." (APA)