Sie angeln sich Kreditkartendaten, verändern Web-Seiten oder dringen in die Computernetze internationaler Konzerne ein: Die russischen Hacker zählen sich zu den besten der Welt. Doch hinter diesem Stolz verbirgt sich ein bitterer Mangel an Chancen. Viele begabte Mathematiker könnten mit ihren Fähigkeiten im Westen ein Vermögen verdienen, sagt Sergej Pokrowski vom Szene-Magazin "Chaker". In russischen Firmen aber erwarte sie nur ein Monatsgehalt von umgerechnet knapp 5.000 Schilling (363 Euro). "Maxus" und die Kreditkarten Anfang dieses Jahres hat "Maxus" unzählige Kreditkartendaten vom Online-Shop CD Universe entwendet und versucht, 100.000 Dollar (112.259 Euro/1,54 Mill. S) zu erpressen. Weil das Geld nicht kam, veröffentlichte er 25.000 Kontonummern im Internet. Im Unterschied zu "Maxus" wurde der Mathematiker Wladimir Lewin enttarnt und in Florida zu drei Jahren Gefängnis verurteilt - er war in das Computernetz der Citibank eingedrungen und hatte Konten mit Millionenwerten manipuliert. Russische Staatsbürger sollen 1998 auch in Computer der US-Streitkräfte gelangt sein und Software für das Satellitennavigationssystem GPS entwendet haben. Und im Oktober dieses Jahres stand ein E-Mail-Account in St.Petersburg im Mittelpunkt des Dateneinbruchs bei Microsoft, bei dem die Eindringlinge zum Quellcode neuer Entwicklungsprojekte vorstießen. "Das ist völliger Unsinn" Da bei einigen Computereinbrüchen hohe Geldbeträge auf dem Spiel standen, ist mehrfach spekuliert worden, dass russische Hacker mit dem organisierten Verbrechen in Verbindung stehen könnten. "Das ist völliger Unsinn", sagt jedoch Szene-Fachmann Pokrowski. "Ich kenne zum Beispiel Maxus persönlich, und er ist in keiner kriminellen Gruppe. Er ist einfach ein sehr guter Spezialist für Computersysteme." Der Hacker mit dem Spitznamen NcRoot, nach eigenen Angaben ein 17-jähriger Spezialist für das Design von Web-Seiten, antwortet auf E-Mail-Fragen: "Sicher gibt es möglicherweise Leute, die wenig Geld verdienen und dies für Geld machen." Den meisten Hackern in Russland aber gehe es darum, Sicherheitslücken offenkundig zu machen. "Denkt daran, wir wollten euch nur helfen", schrieb eine Gruppe von Hackern, unter ihnen NcRoot, an den Webmaster eines Online-Musikangebots, das in diesem Jahr gehackt wurde. 89 Prozent Raubkopien Auch viele der illegalen Internet-Seiten mit Raubkopien von Software oder Kennziffern für die Installation von Programmen werden von Russen eingerichtet. Nach Zahlen des Herstellerverbands Business Software Alliance lag der Anteil von Raubkopien an den im vergangenen Jahr in Russland vertriebenen Computerprogrammen bei 89 Prozent. Die russischen Behörden können meist wenig ausrichten. Allerdings meldete die auf Computerkriminalität spezialisierte Abteilung im Moskauer Innenministerium für die ersten drei Monate dieses Jahres 200 Festnahmen - deutlich mehr als in den Vorjahren. "Dies bedeutet, dass wir immer besser werden", sagt der Sprecher der "Division R", Anatoli Platonow. (Von Jim Heintz/AP)