Wien/Nizza - Das parteiunabhängige Netzwerk ATTAC (Association pour une taxation des transactions financieres pour l'aide aux citoyens), das eine politische Re-Regulierung der Finanzmärkte fordert, hat am Mittwoch europaweit anlässlich des EU-Gipfels in Nizza mobil gemacht. Auch in Wien hat ATTAC Österreich (Austrian Tobin Tax Action Conference) in einer Aktion vor der Vertretung der EU-Kommission auf das "globale Spiel" der Akteure der internationalen Finanzmärkte hingewiesen. Personifizierte Börsenindizes und Weltwährungen - Dow Jones, Dax, Nikkei, Nasdaq, Euro, Dollar und Yen - halten den Erdball fest in ihrem Griff. Der Wildwuchs an unregulierten Finanzmärkte führe regelmäßig zu Krisen, spekulative Devisentransaktionen wirbelten die Wechselkurse durcheinander, kritisiert ATTAC.Von James Tobin erdacht Die Einführung der so genannten Tobin-Steuer, einer 1978 vom US-Wirtschafts-Nobelpreisträger James Tobin erdachten Steuer Steuer auf grenzüberschreitende Devisentransaktionen, würde deren Volumen stark verringern, Druck von den Währungen nehmen und zu größerer Stabilität führen. Die Einnahmen aus der Tobin-Tax könnten zur weltweiten Verringerung der Armut verwendet werden, lautet der Vorschlag. "Das belgische Parlament hat die Regierung aufgefordert, eine Initiative pro Tobin-Steuer während des belgischen EU-Vorsitzes im zweiten Halbjahr 2001 zu prüfen. Wir fordern alle Regierungen der EU auf, diese Initiative schon im Vorfeld zu unterstützen", so ein Vertreter von ATTAC. "Bremsklotz" Insbesondere begrüße ATTAC die Initiative der EU zur einheitlichen Besteuerung von Zinserträgen und fordere die österreichische Regierung auf, "nicht länger den Bremsklotz zu spielen". Statt zu warten, bis die letzten Steuer-Dumper mitmachen und Sonderregelungen auszuhandeln, sollte Österreich den politischen Druck auf Steuer-Oasen erhöhen und zu einem Vorkämpfer für Steuergerechtigkeit werden, heißt es. (Arbeitslose) Kapitaleinkommen würden in den meisten Industrieländern geringer besteuert als Arbeitseinkommen. Angesichts dessen sei es ein wichtiger Schritt, Steuerlöcher zu schließen und Steuergerechtigkeit herzustellen. Langfristiges Ziel von ATTAC sei es, dass alle Einkommensarten gleich hoch besteuert werden. Derzeit würden bei einer Million S (72.700 Euro) Jahreseinkommen in Österreich unterschiedliche Steuersätze anfallen, für Arbeitseinkommen sind es 50 Prozent, für Zinseinkommen von Inländern 25, für Zinseinkommen in Privatstiftungen 12,5 Prozent und ausländische Zinseinkommen kommen ungeschoren davon, so ATTAC. (APA)