Bei der Premiere der Donizetti-Oper "Roberto Devereux" ist sie am Donnerstag Elisabetta I. Später will Edita Gruberova aber auch Norma sein, erfuhr Ljubisa Tosi´c . Wien - Ja, die Oper kann grausam sein. Nein, dass sie je ausgebuht wurde, daran kann sich Edita Gruberova indes nicht erinnern: "Nur an der Mailänder Scala war es vor vielen Jahren eher still . . . Ich habe ja die Claque nicht bezahlt - die kommt doch jedesmal vor und nach der Vorstellung. Ich habe mich beschwert!" Riccardo Muti habe gesagt, es gebe keine Claque, "aber der Capo de la Claque, der nach Alkohol roch, kam in der Pause und fragte, ob wir mit dem Applaus zufrieden sind . . . Ich habe ihm nur Platten gegeben, ein Geschenk für die "Freunde", nie Geld. Und dann haben sie halt nicht applaudiert." In Wien, wo sie am Donnerstag bei der Premiere von Roberto Devereux Königin Elisabetta I. spielen wird, ist Ähnliches nicht zu erwarten. Geldforderungen dieser Art gibt es keine. Und nach wie vor ist Gruberova, die in Wien ihre Karriere begann, der Inbegriff der Belcanto-Virtuosität - sie hat auch dazu beigetragen, das Repertoire der italienischen Frühromantik an den Opernhäusern zu etablieren. Hohe Töne, Koloraturen - kein Problem. Auch wenn die Philharmoniker, wie sie bestätigt, etwas höher gestimmt sind als andere Orchester. "Gott sei Dank sind sie so gestimmt! Wenn ein Orchester tief ist, habe ich Schwierigkeiten, hoch zu singen, das drückt mich nach unten. In Wien habe ich das Problem wahrscheinlich deshalb nicht, weil ich hier mitgewachsen bin." Wenn ein Dirigent nicht mitmacht, kann jedoch auch eine Gruberova nicht über die Orchestermassen hinweg hörbar werden: "Ich habe mir angewöhnt, vor der Vorstellung zu bitten, sie mögen piano spielen - ich ertrage es nicht, wenn alles im Mezzoforte und Forte ist. Wenn man piano fordert, dann bekommt man immerhin mezzoforte." Einst bei Karl Böhm waren solche Bitten nicht nötig. Gruberova hätte sich auch nicht getraut, ihn um etwas zu bitten: "Sicher, mir zitterten die Knie beim Vorsingen. Aber das war ein Musizieren! Auch die Philharmoniker klangen anders unter Böhm, anders als heute. Dabei hat er nichts gemacht." Um selbst in guter Form zu bleiben, pflegt Gruberova gemeinhin zwischen zwei Vorstellungen drei Tage Pause einzulegen. "Manchmal praktiziere ich auch Sprechpausen. Nach einer Probe oder Vorstellung, da möchte ich nur schweigen, man ist ganz leer. Wenn man nach Vorstellungen Autogramme gibt und das Datum dazuschreiben soll, muss ich die Leute nach dem Datum fragen. Das war anfangs sehr unangenehm." Nicht angenehm war ihr auch, dass die Volksoper die Premiere der Regimentstocher absagte. "Man hat mir stattdessen zwei Lieder- oder Arienabende angeboten. Auch Die Vögel. Dazu hatte ich keine Zeit, auch kein Interesse. Es hätte ohne Prozess ablaufen können, ich sagte: Bezahlen Sie, ich bin nicht böse. Mentha wollte aber, dass ich verzichte! So geht man mit Verträgen nicht um!" Die Volksoper überwies an Gruberova übrigens 1,5 Millionen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 12. 2000)