Riesige Textplakate – darauf das Schlagwort Demokratie. Auf schwarzweissen-Kontrast reduziert. Im Dezember hängen in ganz Wien Plakate mit diesem Grundmotiv, alternierend mit Teilen von kommerziellen Werbeplakaten versetzt. Der Begriff Demokratie - im täglichen Sprachgebrauch vielleicht mit parlamentären oder parteipolitischen Entscheidungsstrukturen assoziiert – wird auf die Straße verpflanzt und in die Werbewelt eingeschleust. Otto Mittmannsgruber und Martin Strauß zersetzen mit einer "Plakat-Scratch"-Aktion den Begriff „Demokratie“. Die Werbeplakat-Versatzstücke konterkarieren die prominente Präsenz des weissen Schriftzuges. Die Intaktheit des Wortes „Demokratie“ ist durch diese „Fehlklebung“ auffällig gestört. Ausschnitte verschiedener Plakate, Bruchstücke von Logos und Fragmente von Werbebotschaften treten hervor. Jeweils zwei Bogenteile von Kommerzplakaten haben sich im „Demokratie-Sujet“ verankert. "Wir hinterfragen die Welt der Markenprodukte", meint Otto Mittmannsgruber von der Gruppe "MEZ" zu seinem "Plakat-Scratch". Dabei werden Fragen virulent: Welchen Stellenwert haben Werbung und Wirtschaft in gesellschaftlich relevanten Entscheidungsprozessen und wer hat in diesem Prozeß eine Stimme? Sind Werbeslogans womöglich eine Art Wahlkampf für Produkte oder sind politische Wahlkämpfe Produktinformationen für Wahlberechtigte? Ist die Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Produkten das fundamentalste oder gar das einzige Recht einer westlichen Demokratie? Haben Unternehmen in diesem Zusammenhang gesellschaftliche Verantwortung übernommen? Welche Werte werden generell im Feld der Werbung vermittelt und wie ist das Verhältnis von Medien und Werbung heutzutage geschichtet? Ermöglicht wird diese Fragestellung im öffentlichen Raum von der Gewista, mit der "MEZ" bereits vier Projekte realisiert haben. Für die Gewista ist die Aktion - gerade auf Grund dieser ungewohnten Verknüpfung - auch ein Bekenntnis zur öffentlichen Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft. „Wir sind ja nicht reine Plakatkleber, sondern auch Architekten des Stadtbildes und damit des gesellschaftlichen Raumes in der Stadt“ argumentiert Karl Javurek-Steiner, Geschäftsführer der Gewista und Sponsor der Aktion.