Straßburg - Der Europarat hat erneut Misshandlungen und Folter in türkischen Polizeidienststellen angeprangert. In einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht erinnert das Anti-Folter-Komitee des Staatenbundes an den Gewerkschafter Süleyman Yeter, der im Mai 1999 in der Anti-Terror-Abteilung des Polizeihauptquartiers von Istanbul zu Tode gefoltert wurde. Die Autopsie habe ergeben, dass der Mann schwer geprügelt und erwürgt wurde, heißt es in dem Bericht. Die türkische Regierung bestätigte dies in ihrer am gleichen Tag veröffentlichten Antwort. Gegen die drei verantwortlichen Polizisten werde ermittelt. Die zehn Experten des Anti-Folter-Komitees hatten im Frühjahr 1999 eine Woche lang mehrere Polizeidienststellen der westtürkischen Städte Istanbul und Izmir inspiziert. Außerdem besuchten sie die Gefängnisinsel Imrali, wo als einziger Häftling der zum Tode verurteilte Kurdenführer Abdullah Öcalan einsitzt. Mehrere Häftlinge berichteten von Schlägen, Elektroschocks und anderen Grausamkeiten der Istanbuler Polizei. Die Angaben der Männer wurden dem Bericht zufolge von ärztlichen Untersuchungsergebnissen bestätigt. Die Türkei kündigte an, die Anti-Terror-Einheiten künftig besser zu überwachen. Ablehnend reagierte die Regierung dagegen auf die Forderung des Komitees, die Isolationshaft Öcalans zu lockern. Dies sei aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Öcalan war im Juni 1999 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt worden. Die Vollstreckung des Urteils wurde bis zur Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte über eine Klage des PKK-Chefs ausgesetzt. (APA)