Ankara - Über 200 Häftlinge in türkischen Gefängnissen haben am Sonntag ihren Hungerstreik fortgesetzt, obwohl die Regierung zuvor einen Aufschub der umstrittenen Gefängnisreform angekündigt hatte. "Die Häftlinge halten den Vorschlag des Justizministers für unzureichend", sagte ein Vermittler am Sonntag der Nachrichtenagentur Anadolu. Der Hungerstreik der linksextremen Häftlinge ging am Sonntag in den 52. Tag. Drei der Hungerstreikenden waren in einem kritischen Zustand. Die Häftlinge protestieren mit ihrer Hungeraktion gegen den Plan der Regierung, neue Typen von Gefängnissen einzurichten, in denen nur drei Bewohner pro Zelle untergebracht sind. Bisher leben die Gefangenen in Schlafsälen mit bis zu 60 Häftlingen. Die Regierung verspricht sich von den neuen "Typ-F-Gefängnissen" mehr Sicherheit für die chronisch überfüllten und unruhigen Haftanstalten. Die Häftlinge fürchten Isolation und fordern Schlafsäle mit 15 bis 20 Plätzen. Justizminister Hikmet Sami Türk hatte am Samstag angekündigt, das Inkrafttreten der Gefängnisreform so lange aufzuschieben, bis "gesellschaftlicher Konsens" darüber herrsche. Ursprünglich war vorgesehen, elf Haftanstalten neuen Typs in den kommenden Monaten in Betrieb zu nehmen. (APA/AP)